Dienstag, 17. September 2019

Reinhold Messner 75. Geburtstag



Reinhold Messner wurde vor 75 Jahren am 17. September 1944 in Brixen geboren und im nahen Villnößal, wo er schon früh das Klettern gelernt hat, als Sohn eines Bergbauern aufgewachsen.

Berge sind für den fernen Betrachter eine wilde Schönheit und für Wagemutige eine zu bewältigende Herausforderung. Ein Mann ist wie ein Fels, für den Hindernisse und Schwierigkeiten Stufen sind, auf denen er in die Höhe steigt. Messner, obwohl eigentlich ein ängstlicher Mensch, ist keiner bergsteigerischen Herausforderung aus dem Weg gegangen.

Philosophisch betrachtet ist Messner ein praktischer Lebensphilosoph, für den die Höhe eine zu bewältignede Herausforderung ist und ein Grenzgänger, der in der Höhe Grenzen überwindet. Fichte sagte einmal: „Was für eine Philosophie man wähle hängt davon ab“, so ungefähr, „was für ein Mensch man ist.“ Was ist Reinhold Messner für ein Mensch? - Zu seiner praktischen Lebensphilosophie gehört, persönliche Leistungsgrenzen zu überwinden, um an die Grenzen bzw. die Grenzregionen dieser Welt zu gelangen.

Reinhold Messner, als Bergsteiger längst eine Legende und als Berg-Pionier vorgedrungen bis an die Grenzen der Welt, ist ein Grenzgänger, der sich in Grenzsituationen begibt, um seine Ängste, Zweifel und Hochgefühle zu erfahren. Messner hat in seinem Leben als Bergsteiger immer wieder neue Herausforderungen gesucht - zuerst im Bergsteigen, dann bei Welterkundungen und schließich in seinem »Messner Mountain Project«.

"Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen,
auf denen wir in die Höhe steigen."


Friedrich Nietzsche

Je höher er kletterte, desto größer wurde sein Horizont. "Was mich neben der Kletterei beeindruckt hat, war der Ausblick von oben." Zu seinem Antrieb und Haltung als Bergsteiger gehört, persönliche Leistungsgrenzen zu überwinden, um an die Grenzen bzw. die Grenzregionen dieser Welt zu gelangen.

Der gebürtige Südtiroler brach alle Rekorde: er ist der erste Mensch, der alle 14 Achttausender des Planeten bestieg. Der erste, der den Mount Everest (8.848 Meter) ohne Sauerstoff aus der Flasche bezwungen hat. Messner hat einen ausgesprochenen Eroberungsdrang und einen eisernen Willen.

»Kein natürlicher Drang treibt uns dazu, ihre Gipfel zu erklimmen.
Im Gegenteil. Die Berge sind kalt, feindselig, gefährlich.
Vor der Französischen Revolution gab es niemanden,
der aus Vergnügen oder Neugier in die Berge ging.«

Am 29. Juni 1970 verlor er seinen Bruder Günther beim Abstieg vom Nanga Parbat (8.126 Meter) im West-Himalaya, was ihn nicht daran hinderte, acht Jahre später zurückzukehren und eine Gipfelüberschreitung auf neu eröffneten Routen zu bewältigen. Unaufhörlich forderte er den Tod heraus und erfreut sich mit 70 Jahren augenscheinlich einer prächtigen Gesundheit.

»Das Bergsteigen findet in einer Welt statt,
wo jeder die Verantwortung für sich selber zu tragen hat.
«

Traditionell gelingt es den Menschen an hoch gelegenen Orten, eine Kommunikation mit dem Göttlichen herzustellen. Im Alten Testament heißt es, dass Moses von Jahwe die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai (2285 Meter) erhält. Mohammed ist auf den Dschabal an-Nur (642 Meter) gestiegen und hat sich in die Hira-Höhle zurückgezogen, wo ihm der Engel Gabriel erschien und ihm das Wort Allahs übermittelte. Aus den antiken Quellen erfahren wir auch, dass Buddha sich zum Meditieren in bergige Regionen begab, von denen er Visionen mitbrachte.

»Es gibt so viele verschiedene Gründe, Berge zu besteigen, wie es Alpinisten gibt, und keiner dieser Gründe ist an sich gut oder schlecht! Ich bin Ende der vierziger Jahre in einem abgelegenen Alpental aufgewachsen. Wir hatten keine Zerstreuung. Kein Fernsehen, keinen Fußballplatz, kein Schwimmbad. Dieses Tal zählte nicht mehr als tausend Einwohner und bildete eine Welt für sich. Mein Vater war Lehrer, aber wir arbeiteten auch als Bergbauern. Ich hatte sieben Brüder und eine Schwester. Alle meine Geschwister kletterten. Mit fünf Jahren nahmen mich meine Eltern auf meine erste Bergtour mit.«

Zum Bergsteiger angeregt wurde er und sein jüngerer Bruder Günter von seinem Vater. Über seine frühen Anfänge als Bergsteiger berichtet er:


»Mein Vater war der Vorsteiger. Als ich etwas älter war, begannen mein Bruder und ich Bergtouren zu zweit. Für junge Leute, die auf der Alm lebten, war das Klettern mangels anderer Zerstreuung die einzige Art, sich auszudrücken, seine Imagination sprechen zu lassen, etwas anderes zu machen, als im Haus oder auf den Feldern mitzuhelfen. Es stand für den Traum, den Ausbruch, den Ausdruck seiner selbst.«

Reinhold Messner ist beim Bergsteigen dem Himmel und den Göttern am Nächsten gekommen, doch hält er Götter für eine Erfindung des Menschen. Auch in Todesangst habe er auf seinen Expeditionen nie an Gott gedacht. "Ich bin ganz überzeugt davon, dass wir Menschen die Götter in einer bestimmemn Phase des Daseins erfunden haben", sagte Messner.

Messner lebt mit seiner Frau im Herbst und Winter auf seinem Schloss Juval. Das Schloss Juval liegt in 1.000 Metern Höhe, am Eingang des Schnalstals. In den 80er-Jahren erwirbt Reinhold Messner die verfallene Anlage und restauriert sie, schafft sich ein neues Zuhause. Zugleich liegt hier auch der Ursprung des „Messner Mountain Projekts“, das mittlerweile sechs Museen umfasst.


Interview:

Am Gipfel der Gefahr - Philomag-Magazin

Reinhold Messner – Horizontsüchtig - www.br.de


Weblinks:

Reinhold Messner-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Reinhold Messner-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de

Hubert Brune - Lebensphilosophie - www.hubert-brune.de


Literatur:

Mein Weg: Bilanz eines Grenzgängers
Mein Weg: Bilanz eines Grenzgängers


Mein Leben am Limit
Mein Leben am Limit




Samstag, 14. September 2019

Michel de Montaigne »Essais«

Mit seinen „Essais“ begründete der gaskognische Gutsherr und Edelmann Michel de Montaigne eine neue literarische Gattung, „sein Name steht für den Beginn der Moderne“: Überzeugt davon, dass der Mensch ein zutiefst irrationales Subjekt randvoll mit Widersprüchen sei, notierte Montaigne seine Beobachtungen und Erfahrungen - scharf- und tiefsinnig, voller Witz und dabei mit einem „vorbehaltlosen Ja zum Leben“ (Hans Stilett): philosophische Betrachtungen und literarische Fundstücke, Alltägliches, Politisches und sehr Persönliches, Sonderbarkeiten, Anekdoten sowie historisch überlieferte Begebenheiten und jede Menge schonungsloser Selbsterkenntnis.

Montaigne war passionierter Reisender, Berater der wichtigsten Politiker seiner Zeit und Bürgermeister von Bordeaux, er interessierte sich für die Trunksucht ebenso wie für Fragen der Kindererziehung („Bei den heutigen Schulmeistern, die mit ein und dem selben Unterrichtsstoff und nach ein und dem selben Maß eine Vielzahl junger Geister von so unterschiedlichen Maßen und Begabungen unter ihre Fuchtel nehmen, ist es kein Wunder, wenn sich in der ganzen Herde Kinder kaum zwei oder drei finden, die aus solcher Erziehung nennenswerten Gewinn davontragen“), schreibt über die Sinnlosigkeit der Folter, über Zorn, Eitelkeit, Alter, den Genuss von Melonen und Alkohol („Sogar manche Stoiker geben den Rat, gelegentlich eins über den Durst zu trinken, um die Seele zu lockern“), Daumen, Gerüche, Namen, Streitrosse und Bücher, über seine sexuellen Vorlieben, Nierensteine und gelegentliche Impotenz, über das Schlafen und den Brauch, Kleider zu tragen, über Gesetze gegen den Luxus, die Macht der Fantasie u.v.m. und schuf mit seinen unkonventionellen Betrachtungen „grandiose Literatur“ (FAZ).

Mit seinen Essais erwarb sich Montaigne die glühende Bewunderung der unkonventionellsten und brillantesten Denker seiner Nachwelt: Shakespeare, Diderot, Voltaire, Rousseau, Goethe, Schopenhauer, Karl Kraus, Walter Benjamin, Marcel Proust und Elias Canetti waren neben vielen anderen bekennende Montaigneros. „Dass ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden“, beschrieb Nietzsche die stimulierende Wirkung, der sich auch Die Zeit nicht entziehen konnte: „Ein bezauberndes Buch ... ein großes Lese- und Lehrbuch vom richtigen Leben, das man nicht auf einmal und nie zu Ende lesen kann, sondern so aufnehmen muss, wie es geschrieben wurde, schweifend, abbrechend und wieder neu anfangend.“

Samstag, 31. August 2019

Gedanken zur gegenwärtigen Aufgabe der Philosophie

Gedanken zur gegenwärtigen Aufgabe der Philosophie. Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie

"Mut besteht nicht darin, dass man die Gefahr blind übersieht, sondern darin, dass man sie sehend überwindet." Jean Paul

Interesse um Leben und Fortbestand der Philosophie und wenn Bemerkungen gegen die Heroen der Philosophie verschiedenster Richtung gewendet werden, - und es können ja in der Tat, je kürzer eine Besprechung der vorliegenden Systeme sein soll, desto mehr nur die Schärfen und Spitzen hervorgehoben werden -, so beschränkt so etwas die ungemessenste Hochachtung und Bewunderung jener Männer wahrlich nicht, denn diese Polemik wird nicht um poetischer oder egoistischer Annahmen willen geführt, sondern beruth auf der Untersuchung, ob die neuere oder neueste Richtung ein zureichendes Prinzip der Philosophie besitzt oder nicht; und wir wollen jene großen Denker in der Tat nicht behandeln, wie Lessing bekanntlich sagte, daß gewisse Leute den Spinoza behandelten.

Vor allem nun mag uns der schlichte Satz an der Spitze stehen, daß für die Betrachtung der Wissenschaft alles in der Kulturgeschichte je aufgetretene nicht wenier als ein Daseiendes gilt, als andererseits die Existenzweisen des Natürlichen. Die Wissenschaft verschließt nicht furchtsam ihr Auge, um etwa einen Sturm der Geschichte nicht sehen zu dürfen, und noch weniger gibt sie sich dem Wahn hin, daß irgendeine bereits aufgetretene Richtung von Außen her vernichtet, durch irgendeine Macht annulliert werden könnte, denn wie schon der Tragiker Agathon es ausspricht: "dessen allein ist auch Gott beraubt, ungeschehen machen zu können, was schon getan ist."

So gibt es für den Forscher kein ansich "fürchterliches Buch", überhaupt keinen Popanz des Schreckens, kein Anathema; es existiert für ihn DAUMERs Religion der Zukunft ebenso wie die inniglich tiefe Frömmigkeit der schlichtesten Landbewohner, und die extremsten Ereignisse im Staatsleben sowie in allen Zweigen der Kulturgeschichte sind sämtlich in gleichem Maß Fakta - kurz: des HORATIUS Nil admirari muß bei jedem Schritt der Geschichte deutlicher zum Bewußtsein kommen. Aber dies darf wieder nicht zum Motiv eines bequemen Quietismus oder Pessimismus werden, welcher beim gewöhnlichen, wenn auch sehr richtigen, Satz sich beruhigt, daß die Menschen immer so gewesen sind wie sie jetzt sind, und immer so sein werden, sondern gerade der Impuls muß erwachen, daß wir erkennen, wie der Menschheit ein Höheres, ein Ideales, ein Göttliches innewohnt, und auf welchen Wegen oder Abwegen alles Edlere, alles Erhabene, Religion und Wissenschaft gerade nicht ausgenommen, in Menschenhänden depraviert , entstellt und mißbraucht werden kann und mißbraucht worden ist. Solches sind die verwerflichen Phänomene, welche von der Kulturgeschichte in ihrem Verlauf selbst jedesmal ausgeschieden werden, während sie jedesmal wieder neu erscheinen. So werden wir die Einsicht suchen, warum sie ausgeschieden werden müssen, und höchst wahrscheinlich wohl, ja gewiß, werden wir die Wurzel all dessen, was als Mißstände, Auswüchse und Extreme zu bezeichnen ist, in einer Einseitigkeit, einer Verranntheit in eine jener Seiten erblicken, welche sämtlich das Wesen des Menschen konstituieren.

In diesem Kausalnexus nun, welcher durch eine stete actio und reactio diese Einseitigkeiten gegenseitig hervorruft, wird der Denker neben dem stets gleich sich wiederholenden, daß die Menschen Menschen sind, auch einen kontinuierlichen Verlauf erblicken, welcher als ein Fortrücken, als der sogenannte absolute Fortschritt bezeichnet wird, aber dabei nur den Sinn haben kann, daß der Mensch in der zeiträumlichen Geschichte nicht über den Menschen hinaus fortschreitet, d. h. daß das Ziel in seiner angeblichen Absolutheit eben das ist, was der Mensch als solcher gerade nicht erreicht. Eben darum aber wird derjenige, welcher nach JACOBIs Ausdruck den unzerstückten Menschen nimmt, wie er ist, bei der Überzeugung, daß die Einseitigkeit durch den steten Versuch der wahren Allseitigkeit geheilt werden muß, nicht nach Art der schlechten Ärzte, welche nur die Symptome kurieren, die Leiden durch bloße Einzelheiten oder eine spezielle Prophylaxis paralysieren wollen, sondern er muß versuchen, sein tieferes, reicheres Prinzip nach allen Seiten wirken zu lassen, im Vertrauen darauf, daß es wirken wird.

Demnach, wenn Jemand der Überzeugung ist, daß der französisch-englische Empirismus und Sensualismus, daß die HEGELsche Dialektik, daß FEUERBACHs Anthropologismus, daß eine sich konfessionell bezeichnende Philosophie, daß all das Einseitigkeiten und Auswüchse sind, indem bei einem CONDILLAC die ganze Philosophie in die menschlichen Sinnesorgane allein fällt, bei HEGEL aber eine Konstruktion der Natur, der Tat, des Wollens, der Freiheit, der Kunst, nur durch Sprünge und Lücken erreicht wird, bei FEUERBACH hingegen mehr mutwillig, nach dem gewöhnlichen Sprichwort vom Ausschütten des Bades, mit dem abstrakten Idealismus aller Idealismus wegdialektisiert werden soll, während bei einer konfessionellen Philosophie die Denknotwendigkeit aus dem entgegengesetzten Grund zum Schweigen gebracht wird, - wenn, sage ich, dies zur Überzeugung geworden ist, so darf man weder glauben, durch Ignorieren oder Verwünschungen etwas zu bewirken, noch auch bloß polemisch Spezielles durch Spezielles widerlegen, da sonst eine Tendenzphilosophie erwächst, welche ebenso verwerflich sein dürfte wie sogenannte Tendenzromane, sondern es muß ein allgemeineres volleres Prinzip gegeben werden, welches durch seine innere Allgemeinheit alle Einzelheit und jedes Extrem, gegen welches eine Polemik geboten ist, von selbst absorbiert. Ist es am Ende ja doch die ideelle Allgemeinheit allein, welche sich als pädagogische Macht nicht bloß durch unser Einzelleben, sondern auch durch die ganze Kulturgeschichte hindurchzieht.


Literatur:

Carl Prantl, Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie [Festrede zum 93. Stiftungstag der bayr. Akademie der Wissenschaften gehalten am 27. März 1852] München 1852

Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie - www.gleichsatz.de

Wut als Ausdruck der Aufrichtigkeit

Wut ist ein vielschichtiges Phänomen: In Fällen von Wut wird die Vernunft von der Emotion verdrängt. Wut ist aber auch eine emotionale Haltung und Ausdruck der Aufrichtigkeit. Wut ist zudem auch eine politische Haltung: die der Unzufriedenen, der Benachteiligten, der Verlierer.

Soll man seiner Wut ungehemmt nachgeben oder sie lieber zurückhalten, um gesellschaftliche Konventionen nicht zu verletzen und seine Würde zu wahren?

Wer Ersteres bevorzugt, sieht Wut oft als Katalysator, durch den man seine wahren Gedanken und Gefühle authentisch ausdrücken kann. Wer sich für Zweiteres entscheidet, sieht in Selbstbeherrschung und Höflichkeit die höchsten Güter des sozialen Zusammenlebens.

Der antike Philosoph Seneca bezeichnete das In-Rage-geraten, Aus-der-Haut-fahren oder Laut-und-rot-werden als krankhaft, da der Mensch dabei seine Selbstachtung verliert und die Vernunft von der Emotion verdrängt wird. Heute wiederum wird die Emotionalität des Individuums als etwas sehr Wichtiges erachtet, das Zugang zu seinem wahren Wesen gewährt.

Denn ist ein Wutausbruch nicht auch die innere Explosion, die endlich den Schutzwall der Heuchelei zum Einsturz bringt? Sagt man nicht gerade dann „seine Wahrheit”, wenn man seiner Wut nachgibt? Doch warum nimmt man Dinge, die man in Wut zu jemandem sagt, oft unter dem Vorwand zurück, dass man sie „nicht so gemeint“ hat? Will man so nicht eher den damit verursachten Schmerz ungeschehen machen?

Wut ist auch eine politische Haltung: die der Unzufriedenen, der Benachteiligten, der Verlierer. „Wütende Studenten”, „wütende Rentner”, „Wutbürger” – Grundfragen: Soll man der Wut der Anderen nachgeben? Macht Wut stärker? Kann Wut einen Menschen völlig beherrschen? Was ist der Unterschied zwischen Wut und Ärger? Und was ist „Wutpolitik”?

Samstag, 24. August 2019

Nietzsche und das demokratische Zeitalter

Friedrich Nietzsche

Nietzsche ist wie ein unwillkommener Gast im demokratischen Zeitalter. Obwohl er zur Zeit des autoritären Kaiserreiches gelebt hat, hätte er es im demokratischen Zeitalter nicht ausgehalten. Er konnte mit Zuzständen nichts anfangen.

Nietzsche schwebte keinen Millimeter über dem Stammtisch seiner Zeit. Er war antidemokratisch, antifeministisch und antisemitisch, genau wie der damalige Stammtisch auch war. Wohl darum ist er seinen Zeitgenossen kaum aufgefallen.

Wenn man noch ein bisschen mehr auf seine Schlötterlinge und Beleidigungen, seine Rundumschläge klopft, dann erweist sich, dass sein Ideal ein hochkonservatives und rückwärtsgewandtes ist. Die Griechen, ausgerechnet die klassischen Griechen, sollen als Vorbild dienen für die Behandlung der Frauen. Die Aristokratie, die von der französischen Revolution weggefegt worden war, soll wieder bestimmend werden. Und über allem soll eine nie dagewesene Phantasie thronen, der philosophische Berserker als totalitärer Willkürherrscher. Immerhin hat es im Cesare Borgia angetan.

Es ist eine atavistische Hinterzimmerphilosophie, die uns Nietzsche auftischt, eine unbekömmliche Mischung, präsentiert in einem Durcheinander, das er als angemessen hinstellt, aber eine Systemfaulheit offenbart, die ihm zuletzt auch aufgefallen ist, aber da war es schon zu spät. Auch das Übermenschenkonzept und die geforderte Mitleidlosigkeit basieren auf Sklavenhaltergesellschaften, wie sie zu adligen Perioden üblich waren.

Samstag, 17. August 2019

Arthur Schopenhauers Pessimismus


Arthur Schopenhauer war Pessimist und er war auch Misanthrop, beiden Einstellung sollten sein Leben prägen und seine Philosophie beeinflussen. Der Pessimismus war eine Schlussfolgerung, die Schopenhauer aus seiner Philosophie, die sehr tiefgründig und weitreichend ist, und durchaus nicht wissenschaftlichen Beweisen entbehrt, wie manche etwa behaupten mögen, gezogen hat, und bloß eine von vielen "möglichen" Schlussfolgerungen.

Was ist denn eigentlich Pessimismus? Der Pessimismus besagt ja bloß: "Der Mensch ist ein nach Glück und Freude strebendes Wesen. Er kann aber Glück und Freude nicht erreichen, weil beides bloß Illusionen sind. Das Böse und das Leid prägt unser aller Existenz, nichts ist gewisser als das Leiden. Daher steht uns von diesem Lebens nichts zu erwarten. Wir müssen uns vom Leben, von jeder Möglichkeit des Lebens befreien."

Diese Aussage gleicht auch der von Buddha, der einst gesagt hat: "Alles ist Leiden. Geburt ist Leiden, Leben ist Leiden, Alter ist Leiden, Tod ist Leiden. Das nicht bekommen, was man will, ist Leiden; dass einem das, was man vermeiden möchte, zuteil wird, ist Leiden. Von Liebendem getrennt sein ist Leiden, usw."


Samstag, 10. August 2019

Die Philosophie Hegels

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegel war ein Philosoph des Geistes und der bedeutendste Vertreter des deutschen Idealismus. Viele halten den deutschen Idealismus und allen voran Hegel für den Gipfelpunkt der Philosophie. Die Bewunderung für Hegel entstammt nicht nur der aus heutiger Sicht geradezu abenteuerlich erscheinenden Vorstellung, wahre Philosophie müsse einem Systemanspruch gerecht werden, also einen umfassenden Welterklärungscharakter besitzen, sondern auch der Überzeugung, Philosophie solle in einem christlichen Sinne religiös sein.

Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit in der Vielfalt ihrer Erscheinungsformen einschließlich ihrer geschichtlichen Entwicklung zusammenhängend, systematisch und definitiv zu deuten. In ihrer Wirkung auf die westliche Geistesgeschichte ist sie mit dem Werk von Platon, Aristoteles und Kant vergleichbar. Sein philosophisches Werk Phänomenologie des Geistes aus dem Jahre 1807 zählt zu den wirkmächtigsten Werken der Philosophiegeschichte überhaupt.

Die Philosophie Hegels ist eine Theorie über den Wahrheitsgehalt philosophischer Theorien und über die Entwicklungslogik. Nie in der Geschichte der Philosophie ist ein höherer Anspruch erhoben worden. Und nie hat es eine Philosophie gegeben, die so wie die Hegelsche die Geschichte der Philosophie in sich resümiert, und dies aus einem tiefen Verständnis ihrer Klassiker wie Platon, die Vorsokratiker, Aristoteles, Plotin, Proklos, Descartes, Spinoza oder Leibniz. Halfwassen: "Wir stehen heute grundsätzlich auf den Schultern Hegels. Er lehrt uns die Geschichte der Philosophie als ein Wahrheitsgeschehen.

Hegel vertritt eine idealistische Lehre vom in dialektischen Entwicklungschritten zu sich selbst kommenden absoluten Geist.

Vor seiner Berufung nach Heidelberg hat Hegel sein revolutionäres philosophisches System nicht zusammenfassend dargestellt. Die beiden Hauptwerke sind keine Darstellungen des Systems, sondern dessen Grundlegung. "Die Phänomenologie des Geistes" befreit das Bewusstsein aus seiner Befangenheit in den endlichen Gestalten des Bewusstseins und führt es aus seiner Selbstvergessenheit hinauf zu dem Punkt, an dem das Selbstbewusstsein sich und seine Einheit mit der Wahrheit denkend erfasst. Hegel nennt ihn das "absolute Wissen" und meint damit die Identität von Denken und Sein.

Den Inhalt des "absoluten Wissens" entfaltet "Die Wissenschaft der Logik". Sie ist eine Metaphysik des absoluten Denkens und seiner grundlegenden Bestimmungen. Hegel nennt das Sichselbst als das die Totalität aller reinen Bestimmungen wissende Denken mit dem Ausdruck Platons die "absolute Idee". Und diese interpretiert er mit Plotin als den göttlichen Geist. Und weil Gott Geist ist, handelt es sich um Theologie. Diese theologische Metaphysik ist die erste Philosophie Hegels.

Weblinks:

Georg Wilhelm Friedrich Hegel-Biografie - Biografien-Portal www.die-biografien.de

Georg Wilhelm Friedrich Hegel-Zitate - Zitate-Portal www.die-zitate.de

Dienstag, 6. August 2019

Theodor W. Adorno 50. Todestag

Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno - eigentlich Theodor Ludwig Wiesengrund - starb vor 50 Jahren am 6. August 1969 in Visp, Schweiz. Adorno war ein deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist. Er stand in dem Ruf, ein vermeintlich pessimistischer Sozialphilosoph und resignativer Intellektuelle zu sein.

Theodor W. Adorno war einer der prominentesten Vertreter der „Frankfurter Schule“, deren Kritische Theorie entscheidenden Einfluss auf das kulturelle Bewusstsein der Bundesrepublik hatte. Mit Max Horkheimer zählt Adorno zu den Hauptvertretern der als „Frankfurter Schule“ oder Kritische Theorie bekannten Denkrichtung. Seine Kritische Theorie verfolgte einen aufklärerischen Anspruch. Der Soziologe prägte den philosophischen Diskurs der Nachkreigszeit.

Der in behüteten großbürgerlichen Verhältnissen in Frankfurt aufgewachsene Adorno war bereits früh der Musik und der Philosophie zugetan. Nach dem Studium der Philosophie widmete er sich der Kompositionslehre im Rahmen der Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg.

Nachdem der Theoretiker während der Zeit des Nationalsozialismus in die USA emigriert war, wurde er nach seiner Rückkehr einer der Direktoren des wiedereröffneten Frankfurter Instituts für Sozialforschung.

Wie nur wenige Vertreter der akademischen Elite hat er als „öffentlicher Intellektueller“ mit seinen Reden, Rundfunkvorträgen und Publikationen auf das kulturelle und intellektuelle Leben Nachkriegsdeutschlands eingewirkt und zur demokratischen Umerziehung des deutschen Volkes beigetragen – trotz seiner anspruchsvollen Diktion.

Adornos Arbeit als Philosoph und Soziologe steht in der Tradition von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und Sigmund Freud, welche intellektuelle Einflüsse auf den Philosophen und Soziologen ausübten. Wegen der Resonanz, die seine schonungslose Kritik an der spätkapitalistischen Gesellschaft unter den Studenten fand, galt er als einer der theoretischen Väter der deutschen Studentenbewegung. Adorno war das ideale Vorbild für ihre Vorstellungen und ihren Protest gegen die etablierte Gesellschaft in Nachkriegsdeutschland.

Theodor W. Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren. Das Grab von Theodor W. Adorno befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

Samstag, 27. Juli 2019

Was ist das gute Leben?


Es ist eine uralte Frage der Menschheit und bedeutet für jeden etwas anderes. Trotzdem scheint eine klare Antwort in unserer Gegenwart schwieriger denn je: Was ist heute das "gute Leben"?

In der Antike war man der Auffassung, daß eine gelungene Lebensführung nach den Anforderungen und Grundsätzen einer philosophischen Ethik und den damit verbundenen ausgeglichenen Gemütszustand. Als Kennzeichen des guten Lebens, daß man das „Glück“ nicht von äußeren Faktoren erhofft, sondern es in sich selbst findet, indem man sich richtig verhält. Es wurde erwartet, dass man dann in allen Lebenslagen eine unerschütterliche Gemütsruhe bewahrt. Benötigt und erarbeitet wurden Regeln für eine Lebensweise, die Eudaimonie ermöglichen sollte. Dazu gehörte in erster Linie, dass man Grundtugenden verinnerlichte. Stark umstritten war die Frage, ob die Tugenden allein ausreichen oder auch körperliche und äußere Güter benötigt werden.

Das ist zunächst nicht mehr als ein Befund. Doch ist die Frage nach dem "guten Leben" eine uralte Menschheitsfrage, die in allen Kulturen zu allen Zeiten gestellt - und eben auch ganz unterschiedlich beantwortet wurde. Erst in der Moderne wurde die Vorstellungen darüber, was Glück ist, recht verschieden. Doch daß eine Zeit wie die unsere, nicht mehr verbindlich weiß, was das gute Leben ist, muss als ungeheuerliches historisches Novum bewertet werden. Es fällt ja kaum mehr auf, dass im späten Kapitalismus nur noch solipsistische Ziele verfolgt werden - die von der Werbung dann als Ausdruck eines souveränen Individualismus propagiert werden.

Wie konnte es dazu kommen? Peter Sloterdijk sieht die moderne Welt im Steigerungswahn einer Losung von Karl V. gefangen: "Plus Ultra" hatte der letzte römisch-deutsche Herrscher zu Beginn des 16. Jahrhunderts ausgegeben. Ein Motto, so anmaßend wie erfolgreich: Karl V. hatte das "Non" aus "non plus ultra" gestrichen und aus: "Bis hierher und nicht weiter!" ein: "Immer weiter" gemacht. "Plus Ultra" steht heute noch in der spanischen Flagge.

Sloterdijk erkennt darin den Appell zu einer zügellosen Steigerung, die man Wachstum und Fortschritt nennt. Doch selbst dem Steigerungswilligsten erscheinen Aufwand und Ertrag, Kosten und Nutzen irgendwann unvereinbar. Man erlebt dann nur noch den Exzess des Konsumierens und - wie der französische Essayist Pascal Bruckner sagt - "die Routine der Ausschweifung". Oder, um es mit dem Vorschlaghammer Adornos zu sagen: Was Frau Merkel da beim Bürgerdialog erlebt hat, war die Erfahrung, daß es kein richtiges Leben im falschen geben kann.

Weblink:

Was ist das gute Leben? -www.sueddeutsche.de/kultur

Samstag, 20. Juli 2019

75 Jahre Hitler-Attentat und die Ethik des Widerstands


Am 20. Juli 1944, vor 75 Jahren erfolgte das als "Aufstand des Gewissens" bezeichnete Attentat auf Adolf Hitler, welcher den Umsturz herbeiführen sollte, um Deutschland vor einer militärischen Niederlage zu bewahren. Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte einen Sprengsatz deponiert, der Adolf Hitler töten sollte. Das Attentat schlug fehl und mehr als 200 Mitverschwörer wurden in der Folge hingerichtet, darunter auch aus dem Kreisauer Kreis. Stauffenberg war nicht unbedingt die geeignete Person, um einen solchen Anschlag alleine durchzuführen.

"Das Attentat auf Hitler muss erfolgen, um jeden Preis. Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem der Staatsstreich versucht werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutschen Widerstandsbewegung vor der Welt und der Geschichte unter Einsatz ihres Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig."

Henning von Treschkow

Das Attentat vom 20. Juli 1944 war der bedeutendste Umsturzversuch des militärischen Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus und dennoch keine Heldentat, denn dazu hätte das Attentat (Coup d' etat) auf Hitler glücken müssen! Als Voraussetzung für einen Machtwechsel, auch unter dem Gesichtspunkt des „Eides auf den Führer“, galt den Verschwörern die Tötung Adolf Hitlers. Hitler überlebte jedoch die Explosion der im Führerhauptquartier Wolfsschanze von Claus Schenk Graf von Stauffenberg hinterlassenen Sprengladung mit nur leichten Verletzungen.

Dieser Fehlschlag sowie Lücken in der Vorbereitung und das Zögern beim Auslösen der »Operation Walküre«, des Plans zum Staatsstreich, ließen den Umsturzversuch scheitern. Die Beteiligten der Verschwörung, die Personen des 20. Juli 1944, stammten vor allem aus dem Adel, der Wehrmacht und der Verwaltung. Sie hatten vielfach Kontakte zum Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke. Obwohl das Regime längst im Sterben lag, hatte es noch die Bosheit, Rache an seinen Feinden zu nehmen, die besaß das sterbende Regime noch.


Die Verschwörer des 20. Juli 1944 haben ein Scheitern und ihren Tod bewusst in Kauf genommen, um für Deutschland und seine Menschen eine Änderung der sich abzeichnenden miulitärischen Niederlage herbeizuführen. Denn, das Ende des Nazi-Regimes und des Krieges wäre nur ohne Hitler und seine Entourage möglich gewesen.

"Das Furchtbarste ist zu wissen, dass es nicht gelingen kann und
daß man es dennoch für unser Land und unsere Kinder tun muss."


Berthold Stauffenberg, Claus’ Bruder

Die Verschwörer haben das Gewissen über Gehorsam und Verantwortung über die Pflicht gestellt. Es ist der Geewissesnekonfklikt zwischen Treue und Pflichterfüßllung sowie Verantortungslosigkeit angesichts von mörderischen Verbrechen und Mittäterschaft an einem verbrecherischen Regime Der Widerstand ist aus dem Umstand erwachsen, daß Menschen bereit waren, das Gewissen über den Gehorsam und Verantwortung über die Pflicht zu stellen, um die sich immer deutlicher abzeichnende militärische Katastrophe und Niederlage Deutschlands noch abzuwenden.

Als Offizier ein Attentat zu begehen, setzt voraus, daß ein Offizier die politische und militärische Lage einschätzen kann, daß ein Offizier politisch denken kann - was bei Offizieren der Wehrmacht im Gegensatz zur US-Army betont ungewollt war - das Attentat durchzuführen und die persönliche und politische Verantwortung zu übernehmen. Widerstand ist nur auf der Grundlage einer Ethik und Denkhaltung möglich, die das Gewissen über Gehorsam und Verantwortung über die Pflicht stellt. Bereitschaft zur Übernahme von militärischer und gesellschaftlicher Verantwortung. Widerstand erfordert den entscheidenden Mut zum praktischen Zweck zur praktischen Tat.

Es gibt den langen Weg der Opposition, der schließlich zu dem Anschlag geführt hat, aber bis heute besitzen wir kein überzeugendes Bild von der Persönlichkeit des Attentäters Stauffenbergs. Er war eine höchst widersprüchliche Figur. Weil wir in erster Linie nach moralischen Kriterien urteilen, tun wir uns mit der Einordnung des militärischen Widerstands generell schwer.

Stauffenberg hatte fünf Kinder, hatte wegen seiner Verletzungen nicht mehr zu befürchten an die Front zu kommen. Aber er opferte sich, er legte die Bombe und er hat sein Leben für die Beseitigung Hitlers eingesetzt. Die Normen, die sein Denken und Handeln bestimmten, waren für ihn lange Zeit vereinbar mit Hitlers Politik. Erst im Sommer 1942 begann er umzudenken und die politische Verantwortung des Offiziers höher zu stellen als Pflicht und Gehorsam. Als er zwei Jahre später zur Tat schritt, fühlte er sich von den meisten seiner Mitverschwörer im Stich gelassen. Er folgte seinem Gewissen. Was auch immer man von ihm denken mag, er hat es nicht verdient, für seine heroische Tat als "der Attentäter" verurteilt zu werden.

Stauffenberg war geprägt von dem Kreis um den Dichter Stefan George, der den Kampf gegen den "Ungeist der Städte" beschwört hat und von einem Ideal eines "geheiemen, heiligen Deutschland" in der Tradition von Stauferkaiser Friedrich II. geschwärmt hat.

Doch stimmt es wirklich, was Generalmajor Henning von Treschkow vor dem Attentat zu Stauffenberg gesagt hat? "Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutschen Widerstandsbewegung vor der Welt und der Geschichte unter Einsatz ihres Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig." Bei dem Attentat kam es auf den praktischen Zweck und dessen Erfolg an, denn dann wäre nach erfolgreichem Attentat Hitler tot gewesen un der Staatstreich wäre anders verlaufen.

Zum Gedenkjahr erschienen einige Publikationen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Mal soll das Bild Stauffenbergs vor einer „Heroisierung von rechts“ bewahrt werden, mal heißt es, Stauffenberg habe nicht aus Gewissens-, sondern aus allein pragmatischen Gründen gehandelt. Mal heißt es, sei von Stefan George angeleitet worden. Wichtig ist aber ein differenziertes Bild von Stauffenberg zu zeichnen.

Weblinks:

Wieder Streit um Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler entfacht - rp-online.de

20. Juli 1944: Der Tag der Helden - ZEIT ONLINE

Stefan George und sein Dichterkreis - Literatenwelt-Blog

75 Jahre Hitler-Attentat - Youtube


Stauffenberg-Biografien:


Stauffenberg: Porträt eines Attentäters
von Thomas Karlauf

Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter
Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter
von Sophie von Bechtolsheim

Claus Schenk Graf von Stauffenberg
Claus Schenk Graf von Stauffenberg
von Peter Hoffmann

Literatur:

Im Widerstand: Größe und Scheitern der Opposition gegen Hitler
Im Widerstand: Größe und Scheitern der Opposition gegen Hitler
von Wolfgang Benz

Samstag, 13. Juli 2019

Ethik des Widerstands


In Zeiten der Bedrohung oder in moralisch fragwürdigen Zeiten zwingt das Leben Menschen, ihre politische Meinung zu offenbaren als auch zu handeln, um drohenden Schaden für eine Gemeinschaft abzuwenden. Um existierende Übel und herrschndes Unrecht zu überwinden, bedarf es einer grundlegenden geistigen Haltung.

Widerstand ist eine ablehnende Haltung, welche Abneigung gegen bestehende Verhältnisse und Mißstände, moralischen Verfall und drohende Gefahren signalisiert, welche es deutlich zu machen und abzuwehren gilt. Widerstand gegen herrschendes Unrecht zu leisten, ist ein mioralisches Gebot und für Moralisten gar eine moralische Pflicht.

"Voraussetzung für Widerstand ist das Bewusstsein für das Unrecht, für die Verbrechen,
die im Namen von Ideologie und Staatsräson begangen werden."


Wolfgang Benz

Opposition und Widerstand wird aus einer zugrundeliegenden Ethik heraus geformt und gebildet und ist eine Gewissensfrage. Widerstand, der in einer Tat mündet, ist eine ethische Praxis bzw. praktische Ethik zur Beseitigung eines Mißstandes oder grundlegenden Übels, dabei den Preis des eigenen Lebens in Kauf nehmend.

Widerstand ist nicht immer eine einheitliche Gruppierung, sondern oft eine Zusammensetzug unterschiedlicher Kreise, welche zumeist spezifische Zwecke nach Beseitigung des Grundes für den Widerstand verfolgen.

Aus psychologischer Sicht ist zwischen Innen- und Außenwirkung zu unterscheiden. Bei der Innenwirkung geht es meist um die Entlastung des Gewissens und die Bereitschaft zur Tat, bei der Außenwirkung um die Abwehr von Gefahren für eine Gemeinschaft resp. Gesellschaft oder Nation und die Signalisierung von handlungsfähiger Opposition dritten Mächten gegenüber.

Wenn Widerstand gegen ein Unrechtssystem mehr sein soll, als die Bezeugung einer ablehnenden Haltung, dann muß daraus die praktische Tat folgen. Beim praktischen Widerstand kommt es neben der entschiedenen Bereitschaft zur Tat stets auf den praktischen Zweck an und darauf, den entscheidenden Wurf zu wagen.

Literatur:

Im Widerstand: Größe und Scheitern der Opposition gegen Hitler
Im Widerstand: Größe und Scheitern der Opposition gegen Hitler
von Wolfgang Benz


Samstag, 22. Juni 2019

Michel Serres - einer der originellsten Denker unserer Zeit


Der französische Philosoph Michel Serres galt als ein ganz großer Denker. Er war ein gelernter Seemann, ein wandernder Linkshänder, ein Informationstheoretiker, vor allem aber: einer der originellsten Denker unserer Zeit. Immer in Bewegung, bedeutete Philosophie für ihn vor allem die Kunst, sich im eigenen Leben zu orientieren.

Serres war ein französischer Mathematiker und ein visionärer Philosoph: Die Grenzen zwischen Geistes- und Naturwissenschaften aufheben, um die Menschheit vor dem globalen Inferno zu bewahren.

Für Michel Serres geht der entscheidende Impuls des Denkens von der Ahnung aus, dass immer mehr als ein Weg, mehr als eine Beschreibung, mehr als eine Methode zum eigentlichen Ziel des Philosophierens führen kann. Dieses lautet: Zu wissen, wo man als Mensch steht und also auch, was von einem gegebenen Punkt der kulturellen Entwicklung aus möglich ist.

Serres’ Denken umspannt Systemtheorie und Semiotik ebenso wie Wissenschaftsgeschichte und Ökologie. Kein Wunder, dass er sein Hauptwerk nach Hermes benannt hat, dem Gott des Verstehens, der Reisenden und auch Wegelagerer. Von diesem begnadeten Fährtenleser lassen sich neue Wege ins Freie zeigen.

Denken heißt für Serres, sich auf die Wissenschaften und die Beobachtung zu stützen, doch es heißt auch, dass man es schafft, sich von ihnen zu lösen, einen Schritt beiseitezutreten.

Kennzeichen dieses Abstandnehmens ist die Distanz, die das Denken von der Erkenntnis trennt. Man muss immer von neuen Erkenntnissen ausgehen, doch aus dem Abstand, den man zu jenen Erkenntnissen einzunehmen vermag, geht das Denken hervor. Genau das ist Philosophie.

Samstag, 15. Juni 2019

Peter Sloterdijk: Zur Lage der Welt (E)

Peter Sloterdijk

Peter Sloterdijk provoziert. Seine philosophischen Zeitdiagnosen und politischen Stellungnahmen lösen immer wieder heftige Debatten aus. Im Gespräch mit dem philosophischen Schwergewicht geht es um die Fragestellungen : Wie stehen die Zeichen der Zeit? Und wie geht es dem Menschen in der Globalisierung?

Peter Sloterdijk gilt nicht nur als einer der wichtigsten deutschen Intellektuellen, sondern auch als ebenso risikofreudiger wie schwerverständlicher Denker am Puls der Zeit. Der Philosoph wurde 1983 mit seinem Werk «Kritik der zynischen Vernunft» zum philosophischen Shooting-Star. Danach legte er zahlreiche Bestseller vor und provozierte heftige Debatten, zuletzt anlässlich der Flüchtlingskrise, als er Anfang 2016 Angela Merkels Willkommenskultur kritisierte.

Immer geht es dem Karlsruher Philosophen um den Menschen und die Blasen, in denen er seine unvollkommene Existenz verbringt. Sloterdijk zur Lage der Welt. Als Philosoph hätte er die Spätentwicklung der Masseneinwanderung wenigstens ansatzweise vorausahnen können, gab es doch schon 2013 Parallelgesellschaften, Nachzug der Angehörigen, die Ausbeutung der Krankenversicherungen, die Bildungsmisere.

Wir haben eine ungelöste soziale Frage, die Welt löst sich auf, der Klimawandel schreitet ebenso wie der Nationalismus voran und die Migration ist nicht aufzuhalten. - Genug Probleme also, welche der Lösung bedürfen, aber die Beharrungskräfte verhindern diese!


Es war zuerst Francis Fukuyama, der in «Das Ende der Geschichte» darauf hingewiesen hat, dass in einer materiell halbwegs saturierten Gesellschaft die Unzufriedenheiten nicht ab-, sondern zunehmen, und zwar exponentiell. Der Kampf um Anerkennung gerät erst dann in die heisse Phase, wenn er formell gewonnen ist und alle erwachsenen nicht entmündigten Individuen als Staatsbürger bestätigt sind.




Weblink:

Peter Sloterdijk: Zur Lage der Welt – Sternstunde - YouTube

Peter Sloterdijk: «Die Sitten verwildern, die Gerechtigkeit ist obdachlos»

Samstag, 8. Juni 2019

»Ach, Europa« von Jürgen Habermas

Jürgen Habermas

Jürgen Habermas, entschiedener Streiter für ein offenes Europa, hat im Jahr 2008 einen Band politischer Schriften vorgelegt. Der Philosoph macht sich in diesem Band in Reden und Essays für die Fortführung Europas stark. Sein Ziel ist ein rationales und demokratisches Europa, das das Erbe der Aufklärung zu Ende führt.

Dabei führt Habermas einen Kampf gegen jene Politiker, für die Europa lediglich zu einem technokratischen Gebilde geworden sei. Gegen sie ficht er für mehr demokratische Elemente. In Hinsicht auf unterschiedliche Interessen und gesellschaftliche Entwicklungsstufen innerhalb Europas wünscht er sich eine „abgestufte Integration“.

Die Schwierigkeiten der europäischen Einigung dürfen, nach Habermas, die historische Dimension und Notwendigkeit des Aufklärungsprojektes nicht gefährden. Als Ziel sieht Habermas ein außenpolitisch geeintes Europa, das den USA in „bipolarer Gemeinsamkeit“ als eigenständige Kraft entgegen tritt.

Neben Habermas' jüngsten europapolitischen Interventionen versammelt dieser Band der Kleinen Politischen Schriften philosophische Portraits langjähriger Weggefährten wie Jacques Derrida und Richard Rorty sowie zwei Texte zum Fortschreiten des Strukturwandels der Öffentlichkeit.


Literatur:


Ach, Europa
von Jürgen Habermas


Video:

>a href="https://www.youtube.com/watch?v=bYPLu-u5Hho">Jürgen Habermas über Europa - Vortrag Paris Nov. 2011 - Teil 1 von 2


Mittwoch, 5. Juni 2019

Michel Serres ist tot


Michel Serres ist tot. Der französische Philosoph starb im Alter von 88 Jahren. Serres ist ein französischer Mathematiker und Philosoph. Michel Serres war ein visionärer Philosoph: Die Grenzen zwischen Geistes- und Naturwissenschaften aufheben, um die Menschheit vor dem globalen Inferno zu bewahren. In seinem Heimatland galt er als ein ganz großer Denker.

Er absolvierte die École navale, um eine Laufbahn als Marineoffizier zu beginnen. Ab 1952 besuchte er die École normale supérieure, an der er 1955 seine Agrégation in Philosophie erhielt. Im folgenden Jahr trat er erneut in die Marine ein und fuhr jahrelang zur See. Serres ist seit 1969 Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Sorbonne und wurde 1984 parallel zum Professor an der Stanford University ernannt. Seit 1990 ist er außerdem einer der vierzig »Unsterblichen« der »Académie Française«.

Bei Michel Serres handelt es sich um einen aus der Gilde französischer Philosophen aus den 60er/70er Jahren, die weit über ihre Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangten mit ihren Ideen. Sie können als Kontrastfolie zur Frankfurter Schule um Adorno, später Habermas betrachtet werden. Dazu gehören Lyotard, Baudrillard, Derrida, Deleuze, Guattari, Foucault. Was diese Denker alle auszeichnete, war ihre dichte Beschreibung, über die (zumindest ich) tagelang, nächtelang sitzen konnte, bis ich halbwegs verstanden habe, was die Autoren wollten.

Der französische Philosoph Michel Serres wollte die Welt von Morgen vorbereiten. Er wäre gern die Hebamme der kommenden Welt, erklärte er einmal in einem Interview der französischen Zeitung "Le Figaro". Sein Ziel war es, ein ganzheitliches Wissensverständnis zu schaffen, um auf die Herausforderungen der zeitgenössischen Welt zu reagieren.

Serres ging es stets um Brückenschlagen, Übergänge und Verbindungen. In seinen Werken reiste er deshalb durch die verschiedenen Wissenschaften. Unter dem Haupttitel »Hermes«, dem Namen des Schutzpatrons der Reisenden, hat er zwischen 1969 und 1980 auch fünf Bände veröffentlicht, die unter anderem von Kommunikation und Verteilung des Wissens handeln.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören »Hermes«, »Der Naturvertrag«, »Die fünf Sinne«, »Der Parasit«. Viele seiner 50 Bücher sind in Deutschland erschienen. In »Das eigentliche Übel« geht es ihm um die schmarotzerhafte Aneignung der Welt durch den Menschen, und in »Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation« fordert er, den technologischen Wandel als Chance zu nutzen, um alles neu zu erdenken - angefangen vom Bildungssystem bis zur Gesellschaft.

Für seine Arbeiten erhielt der Philosoph 2012 den deutschen »Meister-Eckhart-Preis« mit der Begründung: "Brillante Einsichten in die Strukturen unseres Denkens."

Michel Serres wurde am 1. September 1930 in Agen im Südwesten des Landes geboren.


Weblinks:

Michel Serres ist tot - www.spiegel.de

Michel Serres - Wikipedia - de.wikipedia.org

Michel Serres-Portrait - GEO (FR) - www.geo.fr

Literatur:

Der Naturvertrag von Michel Serres
Der Naturvertrag
von Michel Serres

Samstag, 25. Mai 2019

Europa - eine politische Phantasie der Dichter


Europa ist eine politische Phantasie, hervorgegangen aus dem Mythos der Antike, tief in der Mentalitätsgeschichte des Kontinents veranlagt und hat demgemäß auch eine lange Tradition innerhalb der literarischen und philosophischen Diskurse, die die politischen Debatten flankieren. - Eine kleine Literaturgeschichte der Europa-Essays.

Nur ein Dichter kann den Sinn von Europa erraten. - Seit der Romantik waren es die Dichter, die sich Gedanken über die Wiedergeburt von Europa oder Europas großes Erwachen gemacht haben. Bei Kerzenschein und mit Federkiel wurde eine Geschichte aufgeschrieben, die heute als das erste Europa-Essay gilt. Europas großes Erwachen. Prominente Europa-Essays von 1800 bis heute.


Schon 1799 träumte Novalis in seinem Essay »Die Christenheit oder Europa« die Aussöhnung und Vereinigung der europäischen Nationen herbei oder, wenn man lieber will, voraus. Natürlich hatte er dabei keine zweckpolitische Kooperation vor Augen, er wollte unter der Ägide einer sich neu formierenden katholischen Kirche eine supranationale und transkulturelle Idealzivilisation heraufdämmern sehen.

Nach einer ausgedehnten Periode der säkularen Verwahrlosung und Zertrennung, in der diverse Formen neuzeitlicher Weltaneignung durchgeprobt und auf die Spitze getrieben worden seien, stehe dem Kontinent nun die gloriose Reinkarnation des mittelalterlichen, alt-christlichen Europa, und damit verbunden, ein Wiedererwachen des heiligen Sinns fürs Universelle bevor. Strukturelle Bezugspunkte und zugleich Vorboten für dieses spirituelle Großereignis erkannte Novalis in der kontinuierlich fortschreitenden Vernetzung der Wissenschaften, im grenzüberschreitenden Aktivismus des Jesuitenordens sowie in Fichtes Erkenntnistheorie:

»Wenn eine neue Regung des bisher schlummernden Europa ins Spiel käme, wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der Staaten, eine politische Wissenschaftslehre uns bevorstände!«

Novalis

Vielleicht versteht der Dichter ja mehr von den Seelenbünden, den geheimen Wünschen und verborgenen Wirkungsmächten als ein Philosoph. Für den großen Romantiker Novalis war Europa jedenfalls eine glückliche Verheißung. Ähnlich wie in der Verfassungsvertragspräambel verrät sich in Novalis‘ Text die Ahnung, dass die Verheißung eines glücklichen Einklangs von entfesseltem bürgerlichem Expansionismus und sozialem Wertbewusstsein dem Versprechen des Unmöglichen gleichkommt. Novalis beschwört demzufolge die kommende goldene Zeit als einen ›Heiland, der wie ein echter Genius unter den Menschen einheimisch, nur geglaubt nicht gesehen werden‹, jedoch ›unter zahllosen Gestalten den Gläubigen sichtbar, als Brot und Wein verzehrt, als Geliebte umarmt, als Luft geatmet, als Wort und Gesang vernommen‹ und schlussendlich ›mit himmlischer Wollust, als Tod, unter den höchsten Schmerzen der Liebe, in das Innere des verbrausenden Leibes‹inhaliert werden kann.

»Es waren schöne glänzende Zeiten, wo Europa ein christliches Land war,
eine Christenheit diesen menschlich gestalteten Erdteil bewohnte.«


Novalis

Im 20. Jahrhundert war die große Romantik geschwunden, der Wunsch nach einem neuen Europa aber war geblieben. In die Vorstellung von Europa sind viele Geister eingegangen und was diese Geister als Inspiration eingebracht haben, ist ein Teil der europäischen Geistestradition.


Erzähl mir Europa I

Philosophen sind dazu angetan, die Welt rational, perspektivisch und reflexiv zu sehen. - In der Tradition der Europa-Essays dann eine Neubegründung durch Peter Sloterdijk.

Mit besonderem Nachdruck schließt 1994 Peter Sloterdijk an Paul Valérys Fortschrittsappelle an. In dem Essay mit dem anspielungsreichen Titel »Falls Europa erwacht«, verbindet er das Theorem von der genialen Progressivität des europäischen Geistes effektvoll mit Novalis‘ Idee einer Wiedergeburt Europas. Überall dort, so hatte Valéry zum Ende seiner Europareflexionen noch einmal bekräftigt, wo ›der europäische Geist zur Vorherrschaft‹ komme, trete ein ›Ensemble von Maxima‹ in Erscheinung: ein Maximum an Arbeit, Kapital, Macht, an ›Eingriffen in die äußere Natur‹, an ›Beziehung und Austausch‹. Sloterdijk erklärte diese Optimierungsthese zur nach wie vor ›gültige[n] Formel für die europäische Modernisierungsdynamik‹.


Sloterdijk bringt auf der Suche nach einer Antwort das ganze Arsenal europäischer Integrationsarchetypen in Stellung. Angesichts der Aufgabe, Europas politisches Selbstverständnis zu reformieren, imaginiert er Europa als ein weibliches Wesen, das das ihm Andere aus sich hervorzubringen vermöchte: ›Aus gutem Grund‹, so Sloterdijk, ›suchen die besten europäischen Intellektuellen nach subversiven Traditionen und Verfahren, die das Fremde im Eigenen, das Andere im Selben offenlegten. - Ja, wenn Europa doch ein Weib wäre.


Sowohl die Betitelung Europas als ›Weib‹ wie auch die Forderung nach einer Transzendenz genuin europäischer Wesensmerkmale zugunsten ihrer idealen Entfaltung sind Nietzsche entlehnt. Aus dem Kontakt zwischen männlicher Herrschaftslogik und weiblicher Antiautorität, der Kreuzung von ›Reich‹ und ›Nicht-Reich‹ wollte auch Sloterdijk eine neue, potente Menschheit hervorgehen sehen. Die kommenden Generationen sollen wieder Appetite für das Große entwickeln.

Daneben werden in seienr Progression Fichtes Tatphilosophie und Novalis‘ magischer Idealismus in Dienst genommen. Europa soll, um sich als Kosmos selbst quasi neu zur Welt zu bringen, in einem Akt ›rationaler Autosuggestion‹ oder des ›luziden Träumens‹ aus dem Material seiner politischen und ideellen Tradition eine Vision kreieren, an die es selbst zu glauben vermöchte und sie dann umsetzten ›wie ein alte lange inkarnierte Mission‹. In der Rebellion gegen die Misere des homo sapiens, gegen seine Endlichkeit und dem daraus geschöpften genuin europäischen Antrieb, ›Lebensformen zu schaffen, die den Menschen als ein von Grund auf reiches und zur Größe fähiges Wesen würdigen‹, erkennt Sloterdijk das Medium, durch das sich ein entsprechendes Sendungsbewusstsein auf adäquate Weise materialisieren könnte. Denn Europas historisches Recht sei ›seine große Aussage über den Menschen‹, sein Unrecht die ›Ausschließung der meisten aus dem Umfang des eigenen Besten‹. Im Sinne dieses Rechtsverständnisses erteilt er Europa das Mandat, die Welt mit Demokratie, Menschenrechten, Wissenschaft sowie mit der destillierten Güte des Lebens zu versorgen.

Ob nun Dichter, Denker oder Philosoph, ob dabei einer mythischen Geschichte folgend, mythologisch verklärt, ob als Schaumgeburt oder als Kopfgeburt oder einem aufklärerischen Impuls folgend, ob Narrativ oder Essay - Europa muß im 21. Jahrhundert neu gedacht werden - muß sich (in einem spirituellen Akt) quasi neu zur Welt bringen! - Nehmen wir dazu ein bischen von Novalis‘ magischen Idealismus, von Paul Valérys Fortschrittsappellen und von Sloterdijks genialer Progressivität und träumen wir von einem neuen Europa!

Weblinks:

Die Neue Europa - www.globkult.de/politik/europa

Novalis-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Paul Valéry-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Samstag, 18. Mai 2019

»Falls Europa erwacht« von Peter Sloterdijk

Peter Sloterdijk

In der Tradition der Europa-Essays eine Neubegründung durch Peter Sloterdijk. »Falls Europa erwacht« ist ein 2002 veröffentlichter Essay von Peter Sloterdijk - eine 60-seitige Niederschrift einer umfassenden Betrachtung europäisch-politischem Bewusstseins, welches heute der unmodernen Tugend des Mutes und vor allem der visionären Phantasie eine neue Herausforderung abverlangt.

Auf dem Fundament seines weitreichenden Kulturwissens zeigt Peter Sloterdijk überzeugend historische Steuerungsprozesse, die bis heute europäisches Staats- und Machtverständnis prägen und offensichtlich als imperiales Gen die Europapolitik bestimmen und formen. Ohne eine durchgreifende Mutation an dieser Erbmasse, sieht der Autor keine Zukunft für eine moderne Kultur.

"Europa, einstmals „Reich der Mitte", ist seit 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, aus seiner überlieferten Stellung in der Mitte der Welt herausgefallen. (Seite 7)."

Es geht Sloterdijk in seinem Essay um Europa und seinem Bewußtsein, denn dieses Bewußtsein von Europa wartet immer noch auf sein Erwachen. Sollte die politische Einbildungskraft der Europäer noch einmal offensiv anspringen, dann nur, wenn sie von dem Elan ergriffen würden, eine ganz neuartige, verfremdete Fortsetzung ihrer Geschichte zu erfinden‹.

Dieses Europa wurde 1945 durch die Alliierten von der nationalsozialistischen Diktatur befreit – zugleich aber von neuen Weltmächten im Westen und im Osten in die Zange genommen: Diese Doppelerfahrung der Befreiung und der endgültigen Aufgabe der einstigen Vormachtstellung Europas zieht sich über zwei Generationen hinweg. Erst nach der Lösung der Supermächteklammer sind die Europäer imstande, die Fragen nach den prägenden Merkmalen okzidentaler Identität mit neuer Verbindlichkeit zu stellen.

In dem Essay mit dem anspielungsreichen Titel »Falls Europa erwacht«, verbindet er das Theorem von der genialen Progressivität des europäischen Geistes effektvoll mit Novalis‘ Idee einer Wiedergeburt Europas. Überall dort, so hatte Valéry zum Ende seiner Europareflexionen noch einmal bekräftigt, wo ›der europäische Geist zur Vorherrschaft‹ komme, trete ein ›Ensemble von Maxima‹ in Erscheinung: ein Maximum an Arbeit, Kapital, Macht, an ›Eingriffen in die äußere Natur‹, an ›Beziehung und Austausch‹. Sloterdijk erklärte diese Optimierungsthese zur nach wie vor ›gültige[n] Formel für die europäische Modernisierungsdynamik‹.

Wie aber wäre Europas großes Erwachen unter den pazifistischen und postimperialen Bedingungen des späten 20. Jahrhunderts ins Werk zu setzen? Auch Sloterdijk bringt auf der Suche nach einer Antwort das ganze Arsenal europäischer Integrationsarchetypen in Stellung. Angesichts der Aufgabe, Europas politisches Selbstverständnis zu reformieren, imaginiert er Europa als ein weibliches Wesen, das das ihm Andere aus sich hervorzubringen vermöchte: ›Aus gutem Grund‹, so Sloterdijk, ›suchen die besten europäischen Intellektuellen nach subversiven Traditionen und Verfahren, die das Fremde im Eigenen, das Andere im Selben offenlegten. Ja, wenn Europa ein Weib wäre…




Es ist, so argumentiert Peter Sloterdijk, täglich bedrängender eine Situation entstanden, in der Europas Politiker aus ihrer Verwirrung nicht mehr herausfinden, wenn sie nicht geschichtsphilosophische Informationen und klare prophetische Orientierungen suchen.

Wie kann Europas Stellung heute beurteilt werden? Haben Europäer wieder gelernt, »Großes von sich zu fordern«, um einen Wiedereintritt in einen Horizont großer und größter Herausforderungen zu gewährleisten?




Europa muß neu gedacht werden! - Sloterdijk erweist - anknüpfend an die Tradition europäischer Essays - sich darin als Vordenker einer neuen Vision von Europa. Besonders faszinierend ist sein Postulat nach einer ganz eigenen und fundamental neuen Vision, die jede traditionelle Rechtfertigung politischer Macht in transzendentem göttlichen Auftrag oder irdischem Elite-Bewusstsein ablegt und ganz neue Motive und Strukturen europäischen Bewusstseins beinhaltet, die sich - ohne jede Erfahrungswerte - gegen Konservativismen und vor allem gegen "historisch erworbene Skepsis"  erst noch durchsetzen müssen.

Weblinks:

Peter Sloterdijk - Falls Europa erwacht - petersloterdijk.net


Rezensionen:

Rezension zu: P. Sloterdijk: Falls Europa erwacht - H-Soz-Kult - www.hsozkult.de

Peter Sloterdijk: Falls Europa erwacht - Begleitschreiben - www.begleitschreiben.net

Literatur:


Falls Europa erwacht: Gedanken zum Programm einer Weltmacht am Ende des Zeitalters ihrer politischen Absence
von Peter Sloterdijk

Donnerstag, 16. Mai 2019

Die Forderung nach einem demokratischen Sozialismus


Juso-Chef Kevin Kühnert hat mit seinen Einlassungen über eine Vergemeinschaftung von Automobilkonzernen eine heftige Debatte ausgelöst. Natürlich kann man, wie es viele gerade tun, seine Vorschläge zu Recht als ökonomisch unsinnig wegwischen. Aber sie treffen bei einem Teil der Bevölkerung einen Nerv.

Seine Forderungen nach einem demokratischen Sozialismus sollten deshalb Anlass sein, über den Zustand des Kapitalismus in Deutschland und dem Rest der Welt zu diskutieren. Wer würde sich nicht eine Welt freier Menschen wünschen, die kollektive Bedürfnisse in den Vordergrund stellt und nicht Profitstreben.

Allein schon die Tatsache, dass überhaupt wieder über die Frage von Wohlstand und Verteilung gesprochen wird, ist zu begrüßen. Man kann dann zu unterschiedlichen Standpunkten kommen, aber darüber muss wieder diskutiert werden. Der neoliberale laissez faire der letzten Jahrzehnte hat wohl nicht gerade zur Stabilisierung der Gesellschaften beigetragen.

Nichts schadet einem Land mehr als ein Mangel an Diskussion über die Zukunft! Mehr Diskussionen über die Frage, wie Wohlstand entsteht und wie er verteilt wird, ist zu begrüßen. Diskussion bildet die Grundlage aller Veränderung. Besonders die Mitte und links davon sollte mehr darüber diskutieren.

Im Grunde ganz banal: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht der Mensch für die Wirtschaft. Wenn Unternehmen und Einzelpersonen obszön große Vermögen ansammeln, die nichts mehr mit unternehmerischer Leistung zu haben, dann darf, kann und soll der Staat eingreifen. Das ist sogar letztlich durch das Grundgesetz und die Landesverfassungen abgesichert. Eigentum ist kein absolutes Recht. Es verpflichtet. Und ganz davon abgesehen: Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Die Idee ist, dass im Kapitalismus nur derjenige adäquat handeln kann, der auch die nötige Grundausstattung hat und über die nötigen Eigentumsrechte verfügt. Das Ideal des egoistischen Nutzenmaximierer, der nebenbei zum Wohle der Gesellschaft, zum Gesamtnutzenmaximum, handelt, lässt sich nur realisieren, wenn auch wirklich alle die Möglichkeit dazu haben. Die logische Konsequenz wäre eine stärkere Besteuerung, beziehungsweise - um den Bogen zu Kühnert zu schlagen - eine Kollektivierung der Gewinne bei Unternehmen, um allen auch wirklich die Möglichkeit zu eröffnen.

Der Kapitalismus ist eine Blendung, hätte Elias Canetti gesagt. - Der Wohlstand mag zwar so hoch wie nie sein aber das sagt eben null über die Verteilung aus. Die geht nämlich von unten nach oben. Die Arbeitslosigkeit sinkt nur dank immer mehr prekärer Beschäftigungen.


Der Kapitalismus, der die Freiheit und die Verantwortung des Einzelnen betont, hat den sozialen Frieden bedrohliche Verwerfungen bei Verteilung des Wohlstandes hervorgebracht, welche der Korrektur bedürfen. Der Sozialismus, der die Gleichheit aller Menschen unter Einschränkung der Freiheit betont, hat sich dagegen als nicht zukunftsfähiges Modell erwiesen, da der Staat die Menschen bevormundet hat und den Einzelnen die Initiative abgenommen hat. Der Kapitalismus ist ohne Reformen jedoch auch kein zukunftsfähiges Modell. Die Zukunft eines Gesellschaftssystems hängt von seiner Reformierbarkeit ab, auftretende Mängel bedürfen der Reform. Die Frage ist, wie diese Reformen aussehen werden.

Dialektisch gesehen, stehen die Eigentumsverhältnisse den Möglichkeiten entgegen, die die Produktivkräfte heute zu schaffen imstande sind. Beide sind aber Produkte und essentielle Bestandteile des Kapitalismus. Das heißt, wir können den Kapitalismus nicht reformieren (quasi die Widersprüche abschaffen, ohne den Kapitalismus abzuschaffen), wir können ihn aber auch nur, aus sich heraus überwinden, indem wir ihn an seinen Widersprüchen selbst scheitern lassen, das heißt sie aufdecken und in Widerstand verwandeln.

Jede Gesellschaftsform ist es wert, bei auftretenden Mängeln im Spannungsfeld von Egalität und Freiheit Alternativen für eine bessere Welt bereitzustellen. Kein Gesellschaftskonzept sollte ohne Alternative sein, da eine gesellschaftliche Weiterentwicklung immer eine Alternative eines bestehenden Gesellschaftskonzeptes ist. Der Fortschritt bedingt die Alternative und entwickelt sich aus ihr heraus.

Eine Gesellschaft ist immer reformierbar, wenn der politische Wille dafür vorhanden ist. Auch der Sozialismus war reformierbar. Der "Prager Frühling" hat vor allen Dingen eines bewiesen: der Sozialismus ist durchaus reformierbar, wenn politische Kräfte sich für eine gesellschaftliche Veränderung durchringen können.


"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert."

Wir müssen uns zudem bewusst sein, dass durch das weltumspannende Netz der Großkonzerne, speziell bei den Finanzkonzernen, extreme Macht konzentriert ist, welche die Demokratie und die Souveränität der Staaten bedrohen. Deshalb können die extremen Auffassungen von Kevin Kühnert ein Anstoß für die längst überfällige Diskussion darüber sein, was wir auf unserem Globus treiben.

Der Übergang zum Sozialismus geht mit vielen Ideen einher, angefangen von betrieblicher Mitbestimmung bis hin zur radikalen Enteignung. Kevin Kühnert wandelt mit seinen Einlassungen auf den Spuren berühmter Vordenker, die über eine Reform des Sozialismus nachgedacht haben. Vordenker eines demokratischen Sozialismus sind der Ökonom und Reformer Ota Sik, der ökonomische Kopf und wichtige Wirtschaftsreformer unter Alexander Dubcek mit seinem wegweisenden Modell einer humanen Wirtschaftsdemokratie und der deutsche Philosoph Rudolf Bahro und der Physiker und Kritiker Robert Havemann. Es geht um einen dritten Weg.

Der Ökonom und Reformer Ota Sik wurde durch seine Arbeiten der Verbindung von Plan- und Marktwirtschaft bekannt. Er bezeichnete sein Modell als „dritten Weg“ und seinen dritten Weg als humane Wirtschaftsdemokratie, wobei die Planelemente gegenüber dem Markt zunehmend in den Hintergrund traten. »Der dritte Weg« von Ota Sik liefert eine marxistische-leninistische Theorie der modernen Industriegesellschaft.

Auf der mikroökonomischen, also betrieblichen Ebene sieht das Konzept einer Humanen Wirtschaftsdemokratie ökonomisch effizient arbeitende, über den Marktdruck den Verbraucherwünschen entsprechende Betriebe vor, die intern so organisiert sind, dass der Produktionsprozess möglichst human verläuft, dass also betriebliche Entfremdung möglichst weit abgebaut wird.

Der "Prager Frühling" hat vor allen Dingen eines bewiesen: der Sozialismus ist durch reformierbar, wenn politische Kräfte sich für eine gesellschaftliche Veränderung durchringen können.

Rudolf Bahro, der Vordenker des Marxismus gehörte zu den profiliertesten Dissidenten der DDR und wurde durch sein sozialismuskritisches Buch »Die Alternative« (1977) bekannt. Auch »Die Alternative« liefert eine marxistische-leninistische Theorie der modernen Industriegesellschaft.


Zudem gilt es noch, die Vereinbarkeit mit der Verfassung zu bedenken:

Ein demokratischer Sozialismus ist mit den in der Verfassung (Grundgesetz) garantierten Eigentumsrechten nicht vereinbar, denn die Garantie des Privateigentums und damit die Garantie der Verfügungsrechte über dessen Nutzung, ist die Grundlage des Kapitalismus, der demokratische Sozialismus fordert jedoch eine Vergesellschaftlichung des Produktivkapitals bzw. die Gründung einer vergesellschafteten Volkswirtschaft als Grundlage einer humanen Wirtschaftsdemokratie .

Leider ist es Vordenkern, Denkern und anderen Geistesgrößen nicht möglich, die dringend notwendige Umgestaltung der Gesllschaft und auch der Wirtschaft als Projekt der Moderne zu begreifen - und dies in Zeiten, wo doch heute als so schick und modern sein muß. - Das Andenken von Alternativen für eine bessere Welt ist dabei auch eine zu stellende Aufgabe für die Zunft der Philosophen. Die Resonanz hierzu fällt vergleichsweise bescheiden aus, denn der verschulte Apparat der Philosophie ist nicht in der Lage, sich dieser verantwortugnsvollen Aufgabe zu stellen.

Philosophen sind keine Mediziner. Wenn Sie Mediziner wären, hätten Sie eine Präferenz für Vorbeugung. In Deutschland allerdings zeigen sich in der Gesellschaft bereits Anzeichen von Erkrankung. Wer jetzt die Probleme der Gesellschaft verniedlicht, befördert den Ausbruch der Erkrankung - bringt den "Patienten" in eine prekäre Lage, wie man auch an einigen unserer Nachbarländer besichtigen kann.

Literatur:

Ota Šik: Der dritte Weg. Die marxistisch-leninistische Theorie und die moderne Industriegesellschaft. Hamburg 1972, Hoffmann und Campe.

Ota Šik: Humane Wirtschaftsdemokratie. Ein dritter Weg. Hamburg 1979, Knaus-Verlag.

Ota Šik: Ein Wirtschaftssystem der Zukunft, Berlin 1985, Springer.


Weblinks:

Alexander Dubček-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Modell einer humanen Wirtschaftsdemokratie - Wikipedia

Blog-Artikel:

»Die Alternative« von Rudolf Bahro

Rudolf Bahro 20. Todestag




Literatur:

Die Alternative
Die Alternative
von Rudolf Bahro