Dienstag, 17. September 2019

Reinhold Messner 75. Geburtstag



Reinhold Messner wurde vor 75 Jahren am 17. September 1944 in Brixen geboren und im nahen Villnößal, wo er schon früh das Klettern gelernt hat, als Sohn eines Bergbauern aufgewachsen.

Berge sind für den fernen Betrachter eine wilde Schönheit und für Wagemutige eine zu bewältigende Herausforderung. Ein Mann ist wie ein Fels, für den Hindernisse und Schwierigkeiten Stufen sind, auf denen er in die Höhe steigt. Messner, obwohl eigentlich ein ängstlicher Mensch, ist keiner bergsteigerischen Herausforderung aus dem Weg gegangen.

Philosophisch betrachtet ist Messner ein praktischer Lebensphilosoph, für den die Höhe eine zu bewältignede Herausforderung ist und ein Grenzgänger, der in der Höhe Grenzen überwindet. Fichte sagte einmal: „Was für eine Philosophie man wähle hängt davon ab“, so ungefähr, „was für ein Mensch man ist.“ Was ist Reinhold Messner für ein Mensch? - Zu seiner praktischen Lebensphilosophie gehört, persönliche Leistungsgrenzen zu überwinden, um an die Grenzen bzw. die Grenzregionen dieser Welt zu gelangen.

Reinhold Messner, als Bergsteiger längst eine Legende und als Berg-Pionier vorgedrungen bis an die Grenzen der Welt, ist ein Grenzgänger, der sich in Grenzsituationen begibt, um seine Ängste, Zweifel und Hochgefühle zu erfahren. Messner hat in seinem Leben als Bergsteiger immer wieder neue Herausforderungen gesucht - zuerst im Bergsteigen, dann bei Welterkundungen und schließich in seinem »Messner Mountain Project«.

"Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen,
auf denen wir in die Höhe steigen."


Friedrich Nietzsche

Je höher er kletterte, desto größer wurde sein Horizont. "Was mich neben der Kletterei beeindruckt hat, war der Ausblick von oben." Zu seinem Antrieb und Haltung als Bergsteiger gehört, persönliche Leistungsgrenzen zu überwinden, um an die Grenzen bzw. die Grenzregionen dieser Welt zu gelangen.

Der gebürtige Südtiroler brach alle Rekorde: er ist der erste Mensch, der alle 14 Achttausender des Planeten bestieg. Der erste, der den Mount Everest (8.848 Meter) ohne Sauerstoff aus der Flasche bezwungen hat. Messner hat einen ausgesprochenen Eroberungsdrang und einen eisernen Willen.

»Kein natürlicher Drang treibt uns dazu, ihre Gipfel zu erklimmen.
Im Gegenteil. Die Berge sind kalt, feindselig, gefährlich.
Vor der Französischen Revolution gab es niemanden,
der aus Vergnügen oder Neugier in die Berge ging.«

Am 29. Juni 1970 verlor er seinen Bruder Günther beim Abstieg vom Nanga Parbat (8.126 Meter) im West-Himalaya, was ihn nicht daran hinderte, acht Jahre später zurückzukehren und eine Gipfelüberschreitung auf neu eröffneten Routen zu bewältigen. Unaufhörlich forderte er den Tod heraus und erfreut sich mit 70 Jahren augenscheinlich einer prächtigen Gesundheit.

»Das Bergsteigen findet in einer Welt statt,
wo jeder die Verantwortung für sich selber zu tragen hat.
«

Traditionell gelingt es den Menschen an hoch gelegenen Orten, eine Kommunikation mit dem Göttlichen herzustellen. Im Alten Testament heißt es, dass Moses von Jahwe die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai (2285 Meter) erhält. Mohammed ist auf den Dschabal an-Nur (642 Meter) gestiegen und hat sich in die Hira-Höhle zurückgezogen, wo ihm der Engel Gabriel erschien und ihm das Wort Allahs übermittelte. Aus den antiken Quellen erfahren wir auch, dass Buddha sich zum Meditieren in bergige Regionen begab, von denen er Visionen mitbrachte.

»Es gibt so viele verschiedene Gründe, Berge zu besteigen, wie es Alpinisten gibt, und keiner dieser Gründe ist an sich gut oder schlecht! Ich bin Ende der vierziger Jahre in einem abgelegenen Alpental aufgewachsen. Wir hatten keine Zerstreuung. Kein Fernsehen, keinen Fußballplatz, kein Schwimmbad. Dieses Tal zählte nicht mehr als tausend Einwohner und bildete eine Welt für sich. Mein Vater war Lehrer, aber wir arbeiteten auch als Bergbauern. Ich hatte sieben Brüder und eine Schwester. Alle meine Geschwister kletterten. Mit fünf Jahren nahmen mich meine Eltern auf meine erste Bergtour mit.«

Zum Bergsteiger angeregt wurde er und sein jüngerer Bruder Günter von seinem Vater. Über seine frühen Anfänge als Bergsteiger berichtet er:


»Mein Vater war der Vorsteiger. Als ich etwas älter war, begannen mein Bruder und ich Bergtouren zu zweit. Für junge Leute, die auf der Alm lebten, war das Klettern mangels anderer Zerstreuung die einzige Art, sich auszudrücken, seine Imagination sprechen zu lassen, etwas anderes zu machen, als im Haus oder auf den Feldern mitzuhelfen. Es stand für den Traum, den Ausbruch, den Ausdruck seiner selbst.«

Reinhold Messner ist beim Bergsteigen dem Himmel und den Göttern am Nächsten gekommen, doch hält er Götter für eine Erfindung des Menschen. Auch in Todesangst habe er auf seinen Expeditionen nie an Gott gedacht. "Ich bin ganz überzeugt davon, dass wir Menschen die Götter in einer bestimmemn Phase des Daseins erfunden haben", sagte Messner.

Messner lebt mit seiner Frau im Herbst und Winter auf seinem Schloss Juval. Das Schloss Juval liegt in 1.000 Metern Höhe, am Eingang des Schnalstals. In den 80er-Jahren erwirbt Reinhold Messner die verfallene Anlage und restauriert sie, schafft sich ein neues Zuhause. Zugleich liegt hier auch der Ursprung des „Messner Mountain Projekts“, das mittlerweile sechs Museen umfasst.


Interview:

Am Gipfel der Gefahr - Philomag-Magazin

Reinhold Messner – Horizontsüchtig - www.br.de


Weblinks:

Reinhold Messner-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Reinhold Messner-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de

Hubert Brune - Lebensphilosophie - www.hubert-brune.de


Literatur:

Mein Weg: Bilanz eines Grenzgängers
Mein Weg: Bilanz eines Grenzgängers


Mein Leben am Limit
Mein Leben am Limit




Samstag, 14. September 2019

Michel de Montaigne »Essais«

Mit seinen „Essais“ begründete der gaskognische Gutsherr und Edelmann Michel de Montaigne eine neue literarische Gattung, „sein Name steht für den Beginn der Moderne“: Überzeugt davon, dass der Mensch ein zutiefst irrationales Subjekt randvoll mit Widersprüchen sei, notierte Montaigne seine Beobachtungen und Erfahrungen - scharf- und tiefsinnig, voller Witz und dabei mit einem „vorbehaltlosen Ja zum Leben“ (Hans Stilett): philosophische Betrachtungen und literarische Fundstücke, Alltägliches, Politisches und sehr Persönliches, Sonderbarkeiten, Anekdoten sowie historisch überlieferte Begebenheiten und jede Menge schonungsloser Selbsterkenntnis.

Montaigne war passionierter Reisender, Berater der wichtigsten Politiker seiner Zeit und Bürgermeister von Bordeaux, er interessierte sich für die Trunksucht ebenso wie für Fragen der Kindererziehung („Bei den heutigen Schulmeistern, die mit ein und dem selben Unterrichtsstoff und nach ein und dem selben Maß eine Vielzahl junger Geister von so unterschiedlichen Maßen und Begabungen unter ihre Fuchtel nehmen, ist es kein Wunder, wenn sich in der ganzen Herde Kinder kaum zwei oder drei finden, die aus solcher Erziehung nennenswerten Gewinn davontragen“), schreibt über die Sinnlosigkeit der Folter, über Zorn, Eitelkeit, Alter, den Genuss von Melonen und Alkohol („Sogar manche Stoiker geben den Rat, gelegentlich eins über den Durst zu trinken, um die Seele zu lockern“), Daumen, Gerüche, Namen, Streitrosse und Bücher, über seine sexuellen Vorlieben, Nierensteine und gelegentliche Impotenz, über das Schlafen und den Brauch, Kleider zu tragen, über Gesetze gegen den Luxus, die Macht der Fantasie u.v.m. und schuf mit seinen unkonventionellen Betrachtungen „grandiose Literatur“ (FAZ).

Mit seinen Essais erwarb sich Montaigne die glühende Bewunderung der unkonventionellsten und brillantesten Denker seiner Nachwelt: Shakespeare, Diderot, Voltaire, Rousseau, Goethe, Schopenhauer, Karl Kraus, Walter Benjamin, Marcel Proust und Elias Canetti waren neben vielen anderen bekennende Montaigneros. „Dass ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden“, beschrieb Nietzsche die stimulierende Wirkung, der sich auch Die Zeit nicht entziehen konnte: „Ein bezauberndes Buch ... ein großes Lese- und Lehrbuch vom richtigen Leben, das man nicht auf einmal und nie zu Ende lesen kann, sondern so aufnehmen muss, wie es geschrieben wurde, schweifend, abbrechend und wieder neu anfangend.“

Samstag, 31. August 2019

Gedanken zur gegenwärtigen Aufgabe der Philosophie

Gedanken zur gegenwärtigen Aufgabe der Philosophie. Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie

"Mut besteht nicht darin, dass man die Gefahr blind übersieht, sondern darin, dass man sie sehend überwindet." Jean Paul

Interesse um Leben und Fortbestand der Philosophie und wenn Bemerkungen gegen die Heroen der Philosophie verschiedenster Richtung gewendet werden, - und es können ja in der Tat, je kürzer eine Besprechung der vorliegenden Systeme sein soll, desto mehr nur die Schärfen und Spitzen hervorgehoben werden -, so beschränkt so etwas die ungemessenste Hochachtung und Bewunderung jener Männer wahrlich nicht, denn diese Polemik wird nicht um poetischer oder egoistischer Annahmen willen geführt, sondern beruth auf der Untersuchung, ob die neuere oder neueste Richtung ein zureichendes Prinzip der Philosophie besitzt oder nicht; und wir wollen jene großen Denker in der Tat nicht behandeln, wie Lessing bekanntlich sagte, daß gewisse Leute den Spinoza behandelten.

Vor allem nun mag uns der schlichte Satz an der Spitze stehen, daß für die Betrachtung der Wissenschaft alles in der Kulturgeschichte je aufgetretene nicht wenier als ein Daseiendes gilt, als andererseits die Existenzweisen des Natürlichen. Die Wissenschaft verschließt nicht furchtsam ihr Auge, um etwa einen Sturm der Geschichte nicht sehen zu dürfen, und noch weniger gibt sie sich dem Wahn hin, daß irgendeine bereits aufgetretene Richtung von Außen her vernichtet, durch irgendeine Macht annulliert werden könnte, denn wie schon der Tragiker Agathon es ausspricht: "dessen allein ist auch Gott beraubt, ungeschehen machen zu können, was schon getan ist."

So gibt es für den Forscher kein ansich "fürchterliches Buch", überhaupt keinen Popanz des Schreckens, kein Anathema; es existiert für ihn DAUMERs Religion der Zukunft ebenso wie die inniglich tiefe Frömmigkeit der schlichtesten Landbewohner, und die extremsten Ereignisse im Staatsleben sowie in allen Zweigen der Kulturgeschichte sind sämtlich in gleichem Maß Fakta - kurz: des HORATIUS Nil admirari muß bei jedem Schritt der Geschichte deutlicher zum Bewußtsein kommen. Aber dies darf wieder nicht zum Motiv eines bequemen Quietismus oder Pessimismus werden, welcher beim gewöhnlichen, wenn auch sehr richtigen, Satz sich beruhigt, daß die Menschen immer so gewesen sind wie sie jetzt sind, und immer so sein werden, sondern gerade der Impuls muß erwachen, daß wir erkennen, wie der Menschheit ein Höheres, ein Ideales, ein Göttliches innewohnt, und auf welchen Wegen oder Abwegen alles Edlere, alles Erhabene, Religion und Wissenschaft gerade nicht ausgenommen, in Menschenhänden depraviert , entstellt und mißbraucht werden kann und mißbraucht worden ist. Solches sind die verwerflichen Phänomene, welche von der Kulturgeschichte in ihrem Verlauf selbst jedesmal ausgeschieden werden, während sie jedesmal wieder neu erscheinen. So werden wir die Einsicht suchen, warum sie ausgeschieden werden müssen, und höchst wahrscheinlich wohl, ja gewiß, werden wir die Wurzel all dessen, was als Mißstände, Auswüchse und Extreme zu bezeichnen ist, in einer Einseitigkeit, einer Verranntheit in eine jener Seiten erblicken, welche sämtlich das Wesen des Menschen konstituieren.

In diesem Kausalnexus nun, welcher durch eine stete actio und reactio diese Einseitigkeiten gegenseitig hervorruft, wird der Denker neben dem stets gleich sich wiederholenden, daß die Menschen Menschen sind, auch einen kontinuierlichen Verlauf erblicken, welcher als ein Fortrücken, als der sogenannte absolute Fortschritt bezeichnet wird, aber dabei nur den Sinn haben kann, daß der Mensch in der zeiträumlichen Geschichte nicht über den Menschen hinaus fortschreitet, d. h. daß das Ziel in seiner angeblichen Absolutheit eben das ist, was der Mensch als solcher gerade nicht erreicht. Eben darum aber wird derjenige, welcher nach JACOBIs Ausdruck den unzerstückten Menschen nimmt, wie er ist, bei der Überzeugung, daß die Einseitigkeit durch den steten Versuch der wahren Allseitigkeit geheilt werden muß, nicht nach Art der schlechten Ärzte, welche nur die Symptome kurieren, die Leiden durch bloße Einzelheiten oder eine spezielle Prophylaxis paralysieren wollen, sondern er muß versuchen, sein tieferes, reicheres Prinzip nach allen Seiten wirken zu lassen, im Vertrauen darauf, daß es wirken wird.

Demnach, wenn Jemand der Überzeugung ist, daß der französisch-englische Empirismus und Sensualismus, daß die HEGELsche Dialektik, daß FEUERBACHs Anthropologismus, daß eine sich konfessionell bezeichnende Philosophie, daß all das Einseitigkeiten und Auswüchse sind, indem bei einem CONDILLAC die ganze Philosophie in die menschlichen Sinnesorgane allein fällt, bei HEGEL aber eine Konstruktion der Natur, der Tat, des Wollens, der Freiheit, der Kunst, nur durch Sprünge und Lücken erreicht wird, bei FEUERBACH hingegen mehr mutwillig, nach dem gewöhnlichen Sprichwort vom Ausschütten des Bades, mit dem abstrakten Idealismus aller Idealismus wegdialektisiert werden soll, während bei einer konfessionellen Philosophie die Denknotwendigkeit aus dem entgegengesetzten Grund zum Schweigen gebracht wird, - wenn, sage ich, dies zur Überzeugung geworden ist, so darf man weder glauben, durch Ignorieren oder Verwünschungen etwas zu bewirken, noch auch bloß polemisch Spezielles durch Spezielles widerlegen, da sonst eine Tendenzphilosophie erwächst, welche ebenso verwerflich sein dürfte wie sogenannte Tendenzromane, sondern es muß ein allgemeineres volleres Prinzip gegeben werden, welches durch seine innere Allgemeinheit alle Einzelheit und jedes Extrem, gegen welches eine Polemik geboten ist, von selbst absorbiert. Ist es am Ende ja doch die ideelle Allgemeinheit allein, welche sich als pädagogische Macht nicht bloß durch unser Einzelleben, sondern auch durch die ganze Kulturgeschichte hindurchzieht.


Literatur:

Carl Prantl, Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie [Festrede zum 93. Stiftungstag der bayr. Akademie der Wissenschaften gehalten am 27. März 1852] München 1852

Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie - www.gleichsatz.de

Wut als Ausdruck der Aufrichtigkeit

Wut ist ein vielschichtiges Phänomen: In Fällen von Wut wird die Vernunft von der Emotion verdrängt. Wut ist aber auch eine emotionale Haltung und Ausdruck der Aufrichtigkeit. Wut ist zudem auch eine politische Haltung: die der Unzufriedenen, der Benachteiligten, der Verlierer.

Soll man seiner Wut ungehemmt nachgeben oder sie lieber zurückhalten, um gesellschaftliche Konventionen nicht zu verletzen und seine Würde zu wahren?

Wer Ersteres bevorzugt, sieht Wut oft als Katalysator, durch den man seine wahren Gedanken und Gefühle authentisch ausdrücken kann. Wer sich für Zweiteres entscheidet, sieht in Selbstbeherrschung und Höflichkeit die höchsten Güter des sozialen Zusammenlebens.

Der antike Philosoph Seneca bezeichnete das In-Rage-geraten, Aus-der-Haut-fahren oder Laut-und-rot-werden als krankhaft, da der Mensch dabei seine Selbstachtung verliert und die Vernunft von der Emotion verdrängt wird. Heute wiederum wird die Emotionalität des Individuums als etwas sehr Wichtiges erachtet, das Zugang zu seinem wahren Wesen gewährt.

Denn ist ein Wutausbruch nicht auch die innere Explosion, die endlich den Schutzwall der Heuchelei zum Einsturz bringt? Sagt man nicht gerade dann „seine Wahrheit”, wenn man seiner Wut nachgibt? Doch warum nimmt man Dinge, die man in Wut zu jemandem sagt, oft unter dem Vorwand zurück, dass man sie „nicht so gemeint“ hat? Will man so nicht eher den damit verursachten Schmerz ungeschehen machen?

Wut ist auch eine politische Haltung: die der Unzufriedenen, der Benachteiligten, der Verlierer. „Wütende Studenten”, „wütende Rentner”, „Wutbürger” – Grundfragen: Soll man der Wut der Anderen nachgeben? Macht Wut stärker? Kann Wut einen Menschen völlig beherrschen? Was ist der Unterschied zwischen Wut und Ärger? Und was ist „Wutpolitik”?

Samstag, 24. August 2019

Nietzsche und das demokratische Zeitalter

Friedrich Nietzsche

Nietzsche ist wie ein unwillkommener Gast im demokratischen Zeitalter. Obwohl er zur Zeit des autoritären Kaiserreiches gelebt hat, hätte er es im demokratischen Zeitalter nicht ausgehalten. Er konnte mit Zuzständen nichts anfangen.

Nietzsche schwebte keinen Millimeter über dem Stammtisch seiner Zeit. Er war antidemokratisch, antifeministisch und antisemitisch, genau wie der damalige Stammtisch auch war. Wohl darum ist er seinen Zeitgenossen kaum aufgefallen.

Wenn man noch ein bisschen mehr auf seine Schlötterlinge und Beleidigungen, seine Rundumschläge klopft, dann erweist sich, dass sein Ideal ein hochkonservatives und rückwärtsgewandtes ist. Die Griechen, ausgerechnet die klassischen Griechen, sollen als Vorbild dienen für die Behandlung der Frauen. Die Aristokratie, die von der französischen Revolution weggefegt worden war, soll wieder bestimmend werden. Und über allem soll eine nie dagewesene Phantasie thronen, der philosophische Berserker als totalitärer Willkürherrscher. Immerhin hat es im Cesare Borgia angetan.

Es ist eine atavistische Hinterzimmerphilosophie, die uns Nietzsche auftischt, eine unbekömmliche Mischung, präsentiert in einem Durcheinander, das er als angemessen hinstellt, aber eine Systemfaulheit offenbart, die ihm zuletzt auch aufgefallen ist, aber da war es schon zu spät. Auch das Übermenschenkonzept und die geforderte Mitleidlosigkeit basieren auf Sklavenhaltergesellschaften, wie sie zu adligen Perioden üblich waren.

Samstag, 17. August 2019

Arthur Schopenhauers Pessimismus


Arthur Schopenhauer war Pessimist und er war auch Misanthrop, beiden Einstellung sollten sein Leben prägen und seine Philosophie beeinflussen. Der Pessimismus war eine Schlussfolgerung, die Schopenhauer aus seiner Philosophie, die sehr tiefgründig und weitreichend ist, und durchaus nicht wissenschaftlichen Beweisen entbehrt, wie manche etwa behaupten mögen, gezogen hat, und bloß eine von vielen "möglichen" Schlussfolgerungen.

Was ist denn eigentlich Pessimismus? Der Pessimismus besagt ja bloß: "Der Mensch ist ein nach Glück und Freude strebendes Wesen. Er kann aber Glück und Freude nicht erreichen, weil beides bloß Illusionen sind. Das Böse und das Leid prägt unser aller Existenz, nichts ist gewisser als das Leiden. Daher steht uns von diesem Lebens nichts zu erwarten. Wir müssen uns vom Leben, von jeder Möglichkeit des Lebens befreien."

Diese Aussage gleicht auch der von Buddha, der einst gesagt hat: "Alles ist Leiden. Geburt ist Leiden, Leben ist Leiden, Alter ist Leiden, Tod ist Leiden. Das nicht bekommen, was man will, ist Leiden; dass einem das, was man vermeiden möchte, zuteil wird, ist Leiden. Von Liebendem getrennt sein ist Leiden, usw."


Samstag, 10. August 2019

Die Philosophie Hegels

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegel war ein Philosoph des Geistes und der bedeutendste Vertreter des deutschen Idealismus. Viele halten den deutschen Idealismus und allen voran Hegel für den Gipfelpunkt der Philosophie. Die Bewunderung für Hegel entstammt nicht nur der aus heutiger Sicht geradezu abenteuerlich erscheinenden Vorstellung, wahre Philosophie müsse einem Systemanspruch gerecht werden, also einen umfassenden Welterklärungscharakter besitzen, sondern auch der Überzeugung, Philosophie solle in einem christlichen Sinne religiös sein.

Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit in der Vielfalt ihrer Erscheinungsformen einschließlich ihrer geschichtlichen Entwicklung zusammenhängend, systematisch und definitiv zu deuten. In ihrer Wirkung auf die westliche Geistesgeschichte ist sie mit dem Werk von Platon, Aristoteles und Kant vergleichbar. Sein philosophisches Werk Phänomenologie des Geistes aus dem Jahre 1807 zählt zu den wirkmächtigsten Werken der Philosophiegeschichte überhaupt.

Die Philosophie Hegels ist eine Theorie über den Wahrheitsgehalt philosophischer Theorien und über die Entwicklungslogik. Nie in der Geschichte der Philosophie ist ein höherer Anspruch erhoben worden. Und nie hat es eine Philosophie gegeben, die so wie die Hegelsche die Geschichte der Philosophie in sich resümiert, und dies aus einem tiefen Verständnis ihrer Klassiker wie Platon, die Vorsokratiker, Aristoteles, Plotin, Proklos, Descartes, Spinoza oder Leibniz. Halfwassen: "Wir stehen heute grundsätzlich auf den Schultern Hegels. Er lehrt uns die Geschichte der Philosophie als ein Wahrheitsgeschehen.

Hegel vertritt eine idealistische Lehre vom in dialektischen Entwicklungschritten zu sich selbst kommenden absoluten Geist.

Vor seiner Berufung nach Heidelberg hat Hegel sein revolutionäres philosophisches System nicht zusammenfassend dargestellt. Die beiden Hauptwerke sind keine Darstellungen des Systems, sondern dessen Grundlegung. "Die Phänomenologie des Geistes" befreit das Bewusstsein aus seiner Befangenheit in den endlichen Gestalten des Bewusstseins und führt es aus seiner Selbstvergessenheit hinauf zu dem Punkt, an dem das Selbstbewusstsein sich und seine Einheit mit der Wahrheit denkend erfasst. Hegel nennt ihn das "absolute Wissen" und meint damit die Identität von Denken und Sein.

Den Inhalt des "absoluten Wissens" entfaltet "Die Wissenschaft der Logik". Sie ist eine Metaphysik des absoluten Denkens und seiner grundlegenden Bestimmungen. Hegel nennt das Sichselbst als das die Totalität aller reinen Bestimmungen wissende Denken mit dem Ausdruck Platons die "absolute Idee". Und diese interpretiert er mit Plotin als den göttlichen Geist. Und weil Gott Geist ist, handelt es sich um Theologie. Diese theologische Metaphysik ist die erste Philosophie Hegels.

Weblinks:

Georg Wilhelm Friedrich Hegel-Biografie - Biografien-Portal www.die-biografien.de

Georg Wilhelm Friedrich Hegel-Zitate - Zitate-Portal www.die-zitate.de