Sonntag, 6. August 2006

Nietzsches Wanderung, die zur Erleuchtung wurde


Der Wanderer Friedrich Nietzsche unternahm vor 125 Jahren am 6. August 1881 einen Spaziergang, der zu dem wichtigsten Ereignis und Inspiration seines Lebens werden sollte. Nietzsche ging als Wanderer los und kehrte als Erleuchteter nach Hause.

Am Silvaplana See im Oberengadin in der Schweiz ereilte ihn eine Erleuchtung wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Für Nietzsche war dies in einschneidendes Erlebnis. Verzückt von seinem Gedanken erklärte er den mächtigen Felsen am Seeufer, vor dem er stand, zu seinem "Erleuchtungsfelsen".

Surlej-Felsen bei Sils Maria

Mit großem Pathos beschrieb der damals 36-jährige Friedrich Nietzsche den besonderen Moment, den der erleuchtete Philosoph heute vor genau 125 Jahren im schweizerischen Engadin erlebte: "Man muss Jahrtausende zurückgehen, um eine ähnliche Inspiration zu entdecken".


Am Samstag, dem 6. August 1881, war Nietzsche wie so oft zuvor zu einem Spaziergang vom gemieteten Zimmer im Dörfchen Sils-Maria zum Silvaplanersee aufgebrochen. Unweit der Ortschaft Sils Maria Surlej, rund fünf Kilometer von seinem Sommerquartier entfernt, passierte er einen eindrucksvollen Felsblock.

Anhänger des Philosophen haben den "Erleuchtungsfelsen" am malerischen Silvaplana See zum Weiheort erhoben. Neben dem imposanten Felsbrocken schichten sie seit Jahren Stelen aus Holz oder Steinen auf, Dutzende davon stehen wie Denkmäler am Ufer.

Friedrich Nietzsche in Sils-Maria

Sils Maria im Engadin

Getrieben von seinen Krankheiten auf der ständigen Suche nach für ihn optimalen Klimabedingungen, reiste Friedrich Nietzsche nun viel und lebte von 1881 bis 1889 als freier Autor an verschiedenen Orten. Im Sommer hielt Friedrich Nietzsche sich meist in der für ihn klimatisch günstigen Sommerfrische des Oberengadin von Sils-Maria auf. Sils befindet sich zwischen den Seen Sils und Silvaplana. Furtschellas ist der Hausberg für wunderschöne Wanderungen.

Haus in Sils-Maria, in dem Nietzsche während der Sommermonate 1881–1888 ein Zimmer bewohnte
Haus in Sils-Maria, in dem Nietzsche während der Sommermonate 1881–1888 ein Zimmer bewohnte.

Der gemartete Wanderer umgab und heilte sich hier mit den einfachsten Lebensgrundlagen: Quellwasser, einfache Kost, bodenständige Menschen, Wanderungen am See entlang nach Silvaplana, Hochgebirrgsluft und eine Landschaft, die er vom ersten Augenblick an als Seelenlandschaft empfand, als ihm zutiefst seelenverandt.

Bis zu sieben Stunden wanderte der Einsiedler von Sils täglich. Auf einer Wanderung entdeckte er 1881 am Seeufer bei Surlej einen alten Kultstein, der ihn zu seinem Gedanken der "Ewigen Wiederkehr des Gleichen" inspiriert hat.

Nietzsche-Stein bei Silvaplana

Der Nietzsche-Stein bei Surlej im Oberengadin. Dieser berühmte Stein soll Nietzsche nach eigenen Angaben 1881 zur Grundkonzeption des Zarathustra angeregt haben.

Weblinks:

Sils/Segl Maria - cervo-sils.ch

Nietzschenhaus - www.nietzschenhaus.ch

Silvaplana - Wikipedia.org

Friedrich Nietzsche - Wikipedia.org