Samstag, 13. Oktober 2018

Nietzsche sah sich als Künstlerphilosophen

Friedrich Nietzsche




Friedrich Nietzsche war tief beeindruckt von dem Bild des Künstlerphilosophen. In Nietzsches Werk taucht daher der Begriff früh auf und setzt sich bis in die späten Tage fort, so auch in seiner Schrift »Der Wille zur Macht«.

Was aber versteht Nietzsche unter einem Künstlerphilosophen? Er versteht darunter das genaue Gegenteil eines (angestellten) Universitätsphilosophen und Gelehrten, z. B. Schopenhauer versus Hegel. Hinter dem Bild des Künstlerphilosophen steckt stets auch der Gegensatz Freigeist versus gelehrter Akademiker.

Schopenhauer war auch Philosophieprofessor an einer Universität, aber eher wider Willen. Hegel hingegen war der Prototyp eines akademischen Theoretikers und unfähig, Werk und Leben in Beziehung zu setzen.

Bei einem Künstlerphilosophen steht Leben und Werk in Einklang und beeinflussen sich gegenseitig. Ein Dichterphilosoph bringt sein Leben in sein Werk ein und sein Werk in sein Leben oder er versucht es wengistens.

Das Modell für einem solchen Philosophen bildet deshalb weniger der Mathematiker, der mit seinen Begrifflichkeiten arbeitet, als vielmehr der Künstler, der erfindet, indem er erschafft und erschafft, indem er erfindet. Nietzsche steht mit diesem Begriff in der Tradition der Vorsokratiker und Schopenhauers.

Der Künstlerphilosoph will dabei sein Leben zum Kunstwerk machen: Er will sein Leben zur künstlerischen Existenz machen. Er will daraus ein Unikat machen, etwas nie Dagewesenes, Neues, Überraschendes. Nietzsche führte gewiss das Leben eines solchen Dichterphilosophen.

Nietzsche wollte um keinen Preis Philosoph sein, wenn das Ausüben der Disziplin ihn zu Wortspielen, dem Arbeiten mit Begrifflichkeiten und akademischen Fachjargon zwang. Der Freigeist wollte seine philosophischen Untersuchungen selbst von künstlerischen Darstellungspraxen Gebrauch machen.

Der Dichterphilosoph praktiziert Philosophie nicht um der Philosophie willen,, sondern der Kunst willen. Vielmehr praktiziert er praktische Existenzphilosophie, also das Gegenteil der existenzialistischen Philosophie.

Erstere nahm ihren Anfang bei den antiken Philosophen, die sich über das gute, philosophische Leben, über eine praktische Erfahrung der Wesiheit Gedanken machten. Letzere hat ihren Ursprung in der mittelalterlichen Scholastik und deren universitärer Weiterentwicklung.

Nietzsche schwebte als Philosophen das Leben eines Künstlers und einer künstlerischen Existenz vor. Sein Leben ist eher Ausdruck der Kunst, denn der Philosophie. Nietzsche ist der Künstlerphilosoph auf dem Wege zum Übermenschlichen.

Die französische Moralistik von Montaigne bis La Rochefoucauld regte den Aphoristiker Nietzsche an; die französische Aufklärung, besonders Voltaire, formierte die für seinen Denkhabitus maßgebende Konzeption des „freien Geistes“.

„Selbst an Abgründen noch zu tanzen“, so hatte Nietzsche in der Fröhlichen Wissenschaft unser Leben bejahendes Echo aufgefasst: „Ein solcher Geist wäre der freie Geist par excellence.“

Seine Ansichten zu dem Leben eines Philosophen als Künstler hat er in seiner Schrift »Die Fröhliche Wissenschaft« unterbreitet.

Nietzsche hat in seinem Werk »Die fröhliche Wissenschaft« die Wissenschaft von ihrer moralischen Natur her kritisiert. Nietzsche gab damit den Anstoss für die Klassiker der Wissenschaftskritik wie z.B. Foucault.

Ferner stellt Nietzsche hier auch die Frage nach dem Kerngehalt und dem Wert von Wissenschaft überhaupt, und das nicht in der Sprache des Wissenschaftlers.

Literatur [ >> ] :

Die Fröhliche Wissenschaft<;br>Die Fröhliche Wissenschaft von Friedrich Nietzsche

Morgenröte / Idyllen aus Messina / Die fröhliche Wissenschaft.
Morgenröte / Idyllen aus Messina / Die fröhliche Wissenschaft.
von Giorgio Colli und Mazzino Montinari

Was bedeutet Nietzsche heute?

Fichte sagte einmal: „Was für eine Philosophie man wähle hängt davon ab“, so ungefähr, „was für ein Mensch man ist.“ Was ist Nietzsche für ein Mensch?

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) ist wohl die berühmteste Gestalt der deutschen Philosophiegeschichte am Ausgang des 19. Jahrhunderts. Mit seiner Kritik an Christentum und idealistischer Philosophie und dem Projekt einer ›Umwertung aller Werte‹ ist Nietzsche zu einem der radikalsten, freilich heftig umstrittenen und vielfach falsch verstandenen Vordenker der Moderne geworden. Er steht für Moral- und Religionskritik, den Antichrist und den Übermenschen.

Friedrich Nietzsche gilt als einer der dunklen, aber neuzeitlich-fortschrittlichen Philosophen. Er sticht durch seine poetische Sprachkraft hervor und beeindruckt durch die Macht seiner Paradoxien. Seine Arbeit ist aufklärerisch, positivistisch und vor allem psychologisch.

Trotzdem stellt sich auch heute noch vielen Nietzsche-Interpreten und Kritikern die Frage, "Ist Nietzsche ein großer Denker oder nur ein verhinderter Dichter? Und wenn er ein großer Denker ist, worin besteht die Eigentümlichkeit dieser Größe ? Ist er überhaupt in ein bestimmbares Verhältnis zu traditionellen Formen des philosophischen Denkens zu setzen, und wenn nicht, worin besteht dann die neue Art seines Denkens gegenüber der überlieferten Philosophie?"

Als sprachschöpferischer Künstler ist er in eine Reihe mit Luther, Dostojewskij und Goethe gestellt worden. Seine anti-metaphysische Deutung des Seins als Werden, eine perspektivistische Erkenntnistheorie und eine vielen Menschen zu aristokratische und individualistische Ethik machen ihn suspekt: "das ergibt keine systematische Philosophie - eher ein oszillierendes Fraktal und ein Gewitter an Einblicken."

Nichts desto trotz, wie Martin Heidegger es einst formulierte, denkt jeder heutzutage in Nietzsches Licht und Schatten, unabhängig davon ob man seine Einsichten und Entwürfe teilt oder nicht. Für Heidegger galt Friedrich Nietzsche als Metaphysiker.

Nach dem explosionsartigen Interesse an seinen Werken nach 1890 beeinflußte er den französischen Existentialismus unter Sartre und Camus, als auch die postmoderne pluralistische Strömung mit Foucault und Deleuze. Für Jaspers war Nietzsche ein Existenzphilosoph, andere, wie Habermas kritisieren seinen ....

Man muss Nietzsche nicht in seiner Religionskritik folgen, denn letztlich verwechselt er die eigene bigotte evangelische Genetik mit "dem Christentum". Den Katholizismus bspw. erfasst er überhaupt nicht und auch kaum mit seinen Akklamationen den Buddhismus.

Literatur:

Welche Werte bekämpft Friedrich Nietzsche in 'Also sprach Zarathustra' ? - Was sind die Grundaussagen und welche politischen Implikationen entwirft er? von Florian Schoemer

Weblink:

Friedrich Nietzsche - www.famousphilosophers.org


Samstag, 6. Oktober 2018

Vaclav Havel - ein Philosoph als Bürgerpräsident

Vaclav Havel

Vaclav Havel war ein Philosoph als Bürgerpräsident und ein Dichter, der zum Staatsmann wurde. Havel war von Natur aus ein dichterischer und unpolitischer Mensch. Erst durch die politischen Umstände in seinem Land wurde der Individualist und Nonkonformist zum Oppositionellen und schießlich zum kommunistischen Regimegegner.

Havel steht damit in der Tradition von Platon. Bekanntlich wollte Platon einen Philosophenkönig kreieren, indem entweder dem Philosophen das Regieren oder dem Regenten das Philosophieren beigebracht werden sollte.

»Ich strebe keine Machtpostion an.
Ich versuche, der Wahrheit zu dienen.
Ich bin nur der Königsmacher, nicht der König.«

Vaclav Havel
Havel war ein in seiner Jugend veräppelter Bürgersohn und später ausgestossener Bourgeouis, ein verbannter Dichter und politischer Häftling, der nie in ein vorgegebenes Raster gepaßt hat und auf diese Weise einen besonderen Blick auf die menschlichen Existenz entworfen hat: den des Aussenseiters.

Sein elemtentares Lebensgefühl war das Gefühl von Fremdheit, anders zu sein als andere.

Vaclav Havel war ein grosser politischer Visionär mit einem unkonventionellen politischen Stil. Er war von seiner Grundhaltung radikal individualistisch und unangepasst.

Vaclav Havel war kein Mensch, der vorgefertigte Lösungen präsentiert hat. Nicht in seinem philosophischen Denken, nicht in seiner politischen Auffassung und auch nicht in seinem literarischen Werk.

Havel betonte stets die Verantwortung des Individuums. Weil er auf die Selbstverantwortung des Individuums setzte, lieferte er keine (individuellen) Patentrezepte.

Der kritische Mahner und Sinnsucher hat dabei immer vorgeführt, wie sein Denken zu leben wäre.


Biografien:

In der Wahrheit leben
In der Wahrheit leben
von Michael Zantovsky

Vaclav Havel
Vaclav Havel


Blog-Artikel:

Charta 77 vor 40 Jahren veröffentlicht -

Philosoph Jan Patočka vor 40 Jahren gestorben