Samstag, 18. Juni 2016

Hegel wurde vor 200 Jahren 1816 nach Heidelberg berufen



"Wir stehen heute auf den Schultern Hegels"


Der große Philosoph Hegel kam vor 200 Jahren an die Universität Heidelberg. Er wurde vor 200 Jahren 1816 als ordentlicher Professor der Philosophie berufen wurde. Vor dieser Berufung, die er im Juni 1816 erhielt und im August annahm, war Hegel seit 1808 Direktor eines Gymnasiums in Nürnberg gewesen, 1807 Zeitungsredakteur in Bamberg, davor seit 1801 Privatdozent in Jena. Dort bildete er sein philosophisches System aus, bevor in Bamberg und Nürnberg die Hauptwerke "Die Phänomenologie des Geistes" (1807) sowie "Die Wissenschaft der Logik" (1812) entstanden. Hegel veröffentlichte die "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse" 1817 in Heidelberg.

Hegels philosophisches System tritt nicht einfach neben die älteren Systeme. Hegel beansprucht vielmehr, alle relevanten Einsichten von grundsätzlichem Rang, die das philosophische Denken in seiner gesamten Geschichte begonnen hat, in sich aufzunehmen und zu bewahren. Zudem beansprucht er, die innere Entwicklungslogik zu enthüllen, nach der die Einsichten aller Philosophen von Rang aufeinander aufbauen.

Die Philosophie Hegels ist eine Theorie über den Wahrheitsgehalt philosophischer Theorien und über die Entwicklungslogik. Nie in der Geschichte der Philosophie ist ein höherer Anspruch erhoben worden. Und nie hat es eine Philosophie gegeben, die so wie die Hegelsche die Geschichte der Philosophie in sich resümiert, und dies aus einem tiefen Verständnis ihrer Klassiker wie Platon, die Vorsokratiker, Aristoteles, Plotin, Proklos, Descartes, Spinoza oder Leibniz. Halfwassen: "Wir stehen heute grundsätzlich auf den Schultern Hegels. Er lehrt uns die Geschichte der Philosophie als ein Wahrheitsgeschehen."

Vor seiner Berufung nach Heidelberg hat Hegel sein revolutionäres philosophisches System nicht zusammenfassend dargestellt. Die beiden Hauptwerke sind keine Darstellungen des Systems, sondern dessen Grundlegung. "Die Phänomenologie des Geistes" befreit das Bewusstsein aus seiner Befangenheit in den endlichen Gestalten des Bewusstseins und führt es aus seiner Selbstvergessenheit hinauf zu dem Punkt, an dem das Selbstbewusstsein sich und seine Einheit mit der Wahrheit denkend erfasst. Hegel nennt ihn das "absolute Wissen" und meint damit die Identität von Denken und Sein.

Den Inhalt des "absoluten Wissens" entfaltet "Die Wissenschaft der Logik". Sie ist eine Metaphysik des absoluten Denkens und seiner grundlegenden Bestimmungen. Hegel nennt das Sichselbst als das die Totalität aller reinen Bestimmungen wissende Denken mit dem Ausdruck Platons die "absolute Idee". Und diese interpretiert er mit Plotin als den göttlichen Geist. Und weil Gott Geist ist, handelt es sich um Theologie. Diese theologische Metaphysik ist die erste Philosophie Hegels.

Hinzu kommt die Realphilosophie: Diese philosophische Durchdringung der gesamten welthaften Wirklichkeit macht Hegels Philosophie so einzigartig. Von der Natur über die Seele bis zum Geist, vom Recht über die Moral bis zum Staat und zur Weltgeschichte, von der Kunst über die Religion bis zur Geschichte der Philosophie enthält sie eine unvergleichliche Fülle. Diese Realphilosophie hat Hegel ab 1818 in seinen großen Berliner Vorlesungen über die Philosophie des Rechts, die Philosophie der Weltgeschichte, die Ästhetik, die Philosophie der Religion, die Beweise vom Dasein Gottes und die Geschichte der Philosophie weiter ausgearbeitet. Diese Vorlesungen haben Hegels Weltruhm begründet.

Die gesamte Realphilosophie in ihrem Zusammenhang mit ihrer metaphysischen Grundlage in der Logik hat Hegel aber nur ein einziges Mal zusammenhängend dargestellt: in seiner Heidelberger "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse". Dieses dritte Hauptwerk trägt den Untertitel "Zum Gebrauch seiner Vorlesungen"; im Vorwort ist die Rede von einem "Leitfaden". Ohne die Berufung auf eine Professur und die damit verbundene Aufgabe, Vorlesungen zu halten, wäre Hegels drittes und umfassendstes Hauptwerk nicht entstanden. Die "Enzyklopädie" ist aber nicht nur in Heidelberg entstanden, ihre Bezüge zu Heidelberg sind noch viele enger.



Weblinks:

"Wir stehen heute auf den Schultern Hegels" - www.rnz.de/wissen

Hegel-Biografie - Biografie-Portal

Literatur:

Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse
Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse
von Wilhelm Friedrich Hegel

Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse
Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse
von Wilhelm Friedrich Hegel

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