Sonntag, 22. Juli 2018

Hegels Freiheitstheorie

"Freiheit" ist die Losung des Zeitalters, in dem Hegel groß geworden ist. John Locke hatte sie der Politik zugrunde gelegt, mit Rousseau war sie zu einer menschheitlichen Forderung geworden und Kant konnte zeigen, dass sie der Ursprung aller humanen Leistungen ist, ohne im Widerspruch zur strengen Naturgesetzlichkeit zu stehen. Die Freiheit tritt im "Geist" hervor, den Kant als die "belebende Kraft im Gemüthe" versteht. Damit war nicht nur der Grund für die Erfahrung des Schönen, sondern auch für einen neuen Begriff des Lebens gelegt. Nur vor diesem Hintergrund ist das Freiheitspathos Friedrich Schillers zu verstehen, der seine Ideale bereits im realen Prozess des Lebens - und damit auch in der Geschichte - wirksam sieht.

Der Begriff „Freiheit“ wird in den einschlägigen Debatten nicht über die Beschreibung ihrer alltäglichen Erscheinungsformen, sondern formal bestimmt. So wird Freiheit in einer sehr bekannten Definition als Bedingung der Eigenbestimmung des Willens angesehen, durch Selbstgesetzgebung neue Kausalreihen zu beginnen.

In der Tat ist Freiheit Hegel zufolge der Zweck all unserer Handlungen, ob wir es in individuellen Lebenszusammenhängen oder weltgeschichtlichen Zusammenhängen betrachten. Das widerspricht der gängigen Vorstellung von Hegel als ‚Philosoph des Totalitarismus’, wie er leider auch von vielen sich als kritisch verstehenden Philosophen dargestellt wird.

Den Ausgangs- und Mittelpunkt einer solchen Darstellung bildet sicherlich die Konzeption der Philosophie Hegels, die davon ausgeht, dass sie „ihre Zeit in Gedanken erfaßt“ sei, wie Hegel es im „Vorwort“ zu Rechtsphilosophie betont, aber denselben Gedanken auch in seinen Vorlesungen über die Gesichte der Philosophie mehrmals ausspricht.

Dieses Selbstverständnis der Philosophie kann für die Konzeption der Wahrheit nicht ohne Folgen bleiben. Folgerichtig lässt sich aus dem „Vorwort“ der Phänomenologie zitieren, wo es heißt. „Das Wahre ist das Ganze“. In beiden Feststellungen formuliert Hegel seinen berühmten Totalitätsanspruch.

Zwei Feststellungen, die Hegel dem oben erwähnten Vorwurf ausgesetzt haben, er sei der Philosoph des Totalitarismus. Karl Popper hat ihn deshalb zu den ‚Feinden der offenen Gesellschaft’ gezählt und Adorno hat den lapidaren Gegensatz gegen Hegels Satz, das Wahre sei das Ganze, formuliert: das Ganze sei das Unwahre.

Obigen Feststellungen Hegels liegt freilich seine Konzeption der Dialektik zu Grunde, die Hegel gegen den Dualismus, namentlich gegen den Kantschen Dualismus entwickelt hat. Insofern kann man behaupten, dass Poppers und Adornos Angriffe dem Herzstück der Hegelschen Philosophie gelten. Die Frage in diesem Zusammenhang wäre dann, ob die Philosophie ohne die Dialektik, wie sie von Hegel konzipiert worden ist, überhaupt auskommen kann.

Dass das Bewusstsein der Freiheit noch nicht deren Realisierung in der gesellschaftlich-politischen Wirklichkeit bedeutet, wusste Hegel selbst sehr gut. Geschichte mit Hegel als Freiheitsgeschichte zu denken, bedeutet also, die jeweilige politisch-gesellschaftliche Wirklichkeit kritisch vom Begriff der Freiheit und den Realisierungsmöglichkeiten der Freiheit her zu denken.

Weblink:

Warum heute noch Hegel? - warumheutenochhegel.blogspot.de

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